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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 571 -
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57122. Juli 1852 morgens, 2 gläser Pandur nachmittags,1 gestern habe ich auch das erste soolenbad genommen. im übrigen finde ich das hiesige Badeleben wenn auch durchaus nicht brillant, so doch recht angenehm und bequem, ob ich das ewige Promeni- ren am curplatze und das beständige Beysammenseyn nicht bald satt ha- ben werde, steht dahin. mittlerweilen gêniren mich bloß die hunderttausend hoheiten und beständigen Praesentationen, welche immer in conspectu po- puli auf der Promenade geschehen. gestern wurde ich auf diese Art ziemlich unvermutheter Weise der königinn von Bayern vorgestellt und werde nun wohl den anderen hoheiten auch nicht ausweichen können. mein häufigster umgang außer meinen männlichen landsleuten und tischgenossen (Wimpffen, Pachta, hans kolowrat, papa Barkoczy etc.) sind Baroninn seebach, gräfin kalergis, gräfin kisseleff, das ehepaar lagrange, fanny stockau etc., und last not least eine wunderhübsche und niedliche frau v. Wolff aus cassel, der ich ein Bischen die cour mache. Am ersten tage unserer Bekanntschaft machte ich mit ihr, einer frau v. Jahn aus Ber- lin und ein paar herren einen spaziergang auf die Bodenlaube, wo wir von einem fürchterlichen und anhaltenden gewitter überrascht wurden und in die restauration flüchten mußten wie weiland dido und Aeneas, die Wagen, um die wir geschickt hatten, kamen erst nach 10 uhr Abends, so daß uns schon die ziemlich nahe und mir nichts weniger als unangenehme Aussicht eröffnet war, eine nacht auf der streu zubringen zu müssen. Abends nach der Promenade spielt uns gewöhnlich gräfin kalergis im conversationssaale auf dem fortepiano, worauf sie eine vollendete künst- lerinn ist, dann gehen wir miteinander ins kurhaus und soupiren dort. frau v. seebach, deren vater ich mich gestern vorstellen ließ, ist eine sehr ange- nehme, heitere frau, mit der ich viel umgehe, leider geht sie schon morgen fort, und es findet heute ihr zu ehren eine partie monstre auf den claushof mit tanz, souper etc. statt. Wie gewöhnlich sind alle diese eleganten damen, besonders die russin- nen, obwohl äußerlich die besten freundinnen, unter sich wie hunde und katzen, hier kommen dann noch politische ursachen dazu, da z.B. gräfin kalergis und kisseleff, toutes deux femmes politiques, die erstere Bonaparti- stinn, die andere Polinn, daher röthlich, und Beyde wie alle frauen in ihren meinungen leidenschaftlich sind. dieses amusirt mich übrigens als unpar- theiischer Zuschauer um so mehr, dazwischen bewegt sich das ehepaar la- grange (er ist sénateur) und sie eine femme auteur, welche die ganze Zeit, die sie nicht auf der retirade zubringt, zum romanschreiben und vorlesen verwendet. ein anderer Badediscurs ist die flirtation der frau von Ben- 1 rakoczy und Pandur sind die namen der heilquellen von Bad kissingen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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