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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 575 -
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57514. August 1852 seit etwa 8 tagen regnerisch und kühl, was hier, wo man eigentlich nur im freyen existiren kann, doppelt unangenehm ist. Abends mache ich, wenn das Wetter es erlaubt, fußpromenaden mit den Barkoczys und hans kolowrat, erstere gehen morgen fort, wir hatten für heute als den letzten tag ihres hierseyns diner und andere Projekte, welche aber durch den regen wenigstens zum theile vereitelt werden dürften, wir kennen uns als sehr gute freunde, weiter habe ich die sache nicht getrieben, erstlich weil keine rechte gelegenheit dazu vorhanden war, dann weil ich des erfolges denn doch nicht gewiß wäre, endlich und hauptsächlich, weil ich mir noch Zeit zur überlegung lassen wollte, car il y a des pros et des contre. übermorgen gegen mittag will ich fort, meine 4 Wochen sind um, und ich habe keinen grund länger zu bleiben, noch weiß ich aber nicht wohin? gabrielle schreibt schon seit 8 bis 10 tagen nicht, ich weiß daher nicht, ob sie bey ihrem reiseprojekte nach Paris verbleibt oder nicht? im ersteren falle gehe ich nach frankfurt, im letzteren heimwärts. diese ungewißheit im letzten Augenblicke ist höchst unangenehm. die stupiden empfangsfeyerlichkeiten in Wien sind offenbar von Bach angezettelt, um sich dadurch beym kaiser fester zu stellen,1 et pour faire mousser son vin, er hat jetzt oberwasser und benützt den moment. Wiesbaden 14. August dienstag den 10. vormittags waren hans kolowrat und ich bey der Abreise der Barkoczy’s zugegen. tags darauf gegen 11 uhr fuhr ich fort, am Brunnen sprach ich noch lange, beynahe anderthalb stunden, mit dem könige von schweden, es ist ein höchst aufgeklärter, vernünftiger, humaner mann, und ich könnte nur wünschen, wie ich es ihm auch sagte, daß viele monarchen ihm ähnlich wären. er erzählte mir beynahe fortwährend vieles interessante über schweden und entwickelte dabey mit einer merkwürdigen ruhe und leidenschaftslosigkeit Ansichten, welchen ich meine Bewunderung schen- ken mußte. dewitz und kolowrat besuchten mich noch im letzten Augenblicke, und so fuhr ich vor 11 von hause ab und war nach 1 uhr in hammelburg, wo ich zu mittag aß, um 7 uhr war ich in lohr, wo ich übernachtete. tags darauf um 9 kam das dampfschiff, bey abwechselndem regen und sonnenschein und nach einer langen und langweiligen fahrt, welche zwar bis in die gegend von hanau immer durch ein sehr freundliches, belebtes hügelland ging, kamen wir um 1/2 10 uhr Abends in frankfurt an, wo ich im römischen kaiser abstieg, wie viele erinnerungen wurden in mir wieder lebendig, als 1 gemeint sind die feierlichkeiten anlässlich der rückkehr des kaisers von seiner ungari- schen reise.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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