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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 576 -
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Tagebücher576 ich nach 3 1/2 Jahren diese stadt, den schauplatz der bewegtesten Periode meines lebens, wiedersah! ich ging gestern um die Paulskirche herum, sie war verschlossen und keine spur des Jahres 1848 mehr an ihr zu erkennen. Besuchen wollte ich niemand, sondern incognito bleiben, deßhalb hatte ich mich auch im römischen kaiser einlogiert, doch erkannte man mich beynahe in jedem laden, den ich besuchte, und zwar immer mit einer gewissen weh- müthigen freude, als erinnerte ich sie an eine verschwundene schönere Zeit, über die jetzige klagten Alle. freylich mag viel auf rechnung des materiellen gewinnes gehen, welchen namentlich frankfurt damals hatte. der vormittag verging mit zahlreichen commissionen etc. um 1/2 3 nach der table d’hôte fuhr ich auf die eisenbahn und war um 4 uhr hier, mit mir fuhr Aladar Zichy, den ich vormittags in frankfurt begegnet hatte. von Bekannten habe ich hier bisher außer lichnowsky, der heute abrei- ste, bloß gilbert nugent getroffen, er und Zichy wurzeln am spieltische, wo ich auch gestern mein glück versuchte, aber mit schlechtem erfolge. gabri- elle hat ihr reiseprojekt nach Paris aufgegeben, da sie von der königinn Adèle nach turin eingeladen wurde, doch kömmt sie vielleicht am 19. mit erzherzogin hildegarde nach frankfurt, um von da über die schweiz ihre reise fortzusetzen, in welchem falle ich sie bis Basel begleiten würde. dar- über erwarte ich dann hier Bestimmtes zu erfahren, kömmt sie nicht diesen Weg, so fahre ich directe nach hause zurück. Paris 24. August in Wiesbaden brachte ich noch 3 langweilige tage: den 15., 16. und 17. zu. gabrielle schrieb endlich, sie werde am 19. nach frankfurt kommen, und so mußte ich sie hier erwarten. es war mitunter sehr schlechtes Wet- ter, und von Bekannten niemand da als gilbert nugent und ein Pole graf Wendzierski,1 beydes ziemlich langweiliges unbedeutendes volk. dazu ist Wiesbaden an sich der langweiligste ort in der Welt, ohne anderen verei- nigungspunkt als die spieltische, so daß man beynahe bey den haaren zum spielen gezwungen wird. das that ich denn auch und verlor ziemlich viel, ärgerte mich über den verlust und fand den ort nur um so langweiliger. Am 16. besuchte ich zwey alte Bekannte: max gagern und hergenhahn, und ließ mir von ihnen erzählen. die Partey der einheit, also im Wesentli- chen der Paulskirche wird mit jedem tage bey den jämmerlichen Zuständen der gegenwart stärker, der haß gegen Preußen wegen seines Benehmens in den Jahren 1848 und 1849 ist zwar sehr stark, muß aber der überzeu- gung von der nothwendigkeit, sich an dasselbe anzuschließen, weichen, wer 1 eine polnische Adelsfamilie dieses namens existiert nicht, vermutlich handelte es sich um einen Grafen Wengersky bzw. die polnische Namensform Węgierski.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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