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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 580 -
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Tagebücher580 einige commissionen in der stadt, sprach im vorübergehen mit meiner ehe- maligen maitresse mad. Boch und war um 12 wieder an der eisenbahn, wo ich herrn und frau v. thienen traf. es war eine fürchterliche hitze wie in den Julytagen, welche auch gestern und heute fortdauert. überhaupt habe ich seit Wiesbaden mit alleiniger Ausnahme des ersten Abends in Paris, dann der anderthalb tage in BadenBaden, während derer es 2 oder 3mahl regnete, fortwährend schönes, mitunter drückend heißes Wetter gehabt. um 7 uhr Abend waren wir in guntershausen und erst um 1/2 11 in eisen- ach, wo ich übernachten mußte. tags darauf um 3/4 6 ging es wieder weiter. Auf dem Bahnhofe stellte sich mir ein jüdischer Banquier aus frankfurt, goldschmidt, vor, dessen sohn, wie ich mich nun erinnerte, 1848 mit mir als Privatsecretär nach london zu gehen wünschte. es war ein sehr gebildeter mann und einer der großen frankfurter Banquiers, welcher jetzt nach Wien geht, um wegen einer abermaligen (!) Anleihe zu unterhandeln. er fuhr dann auch bis dresden mit mir. es wird überhaupt nicht bald Jemanden geben, der so viele menschen kennt, und namentlich den so viele menschen kennen, wie ich, davon habe ich mich dießmal wieder überzeugt. um 1 war ich in leipzig, wo ich mir bis 5 uhr, da der Zug erst um diese stunde wieder weiter ging, so gut als ich konnte die Zeit vertrieb. Am Bahn- hofe kam hans kolowrat dazu, welcher eben von ostende kam, und wir fuh- ren miteinander bis hieher, wo wir um 9 uhr Abends ankamen, und ich im British hotel abstieg. heute wollte ich villers und seine marie besuchen, fand aber keinen von Beyden, er ist bey der legation in Berlin angestellt, und sie im Bade ir- gendwo in der sächsischen schweiz, so schlenderte ich denn aus langer Weile trotz der afrikanischen hitze herum, ging zum 50. mahle in die Bildergalle- rie, dann auf die Brühl’sche terrasse etc., das grüne gewölbe aber und den Porzellanpallast habe ich doch nicht gesehen. diesen Abend um 1/2 10 uhr (was ich bis dahin anfangen werde, das wis- sen die götter) fahre ich von hier ab, über Prag ohne mich aufzuhalten, und komme morgen Abends zwischen 7 und 8 uhr in Wien an. Baden 4. september Bey tische am 31. in dresden fand ich Bekannte: gozze, augenblicklich un- ser chargé d’Affaires, Baron mengden und Bleszynski. nachmittag ging ich mit gozze herum, und später fuhren wir in den großen garten, dann sah ich noch löwenberg und virginie Boccella, letztere jedoch nur von Weitem, und hatte keine Zeit mehr, sie zu besuchen. um 1/2 10 Abends fuhr ich ab, in Bodenbach sah ich eine verlassene Wie- nerinn, ein sehr hübsches mädchen, welche von Paris zu ihrer kranken mut- ter nach Wien citirt worden war, und nahm mich ihrer landsmannschaft-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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