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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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58112. September 1852 lichst an, verschaffte ihr einen ganz leeren und finsteren Wagen, in welchen ich mich übrigens auch hineinsetzte, sie aber ganz ruhig bis Prag schlafen ließ. diese seltene selbstverläugnung wurde dann auch am tage darauf be- lohnt, in Brünn wurden wir übrigens getrennt, sahen uns jedoch während der anderthalb tage, die ich in Wien zubrachte, mehrere mahle, und sie will, ehe sie nach Paris zurückkehrt, mich übermorgen hier besuchen.1 Abends 8 uhr am 1. september war ich in Wien und blieb den 2. dort, die stadt war leer, langweilig und unangenehm. gestern um 2 uhr mittags kam ich heraus und will sehen, ob es sich hier leben läßt. mir scheint jeden- falls besser als in Wien. flore ist gestern Abends auf einige Zeit nach lösch gefahren. dagegen sind Pallavicini, spaur, mocenigo und iréne Arco hier, mit letzterer und den Pallavicinis machte ich gestern nachmittags eine spa- zierfahrt, und heute sollen wir nach Waltersdorf fahren. sonst habe ich von Bekannten bisher e. Bethlen, ricci, Arnstein, franz lützow etc. gesehen. im übrigen habe ich mir eine masse Bücher mit herausgenommen und will nebstdem mit mir über manches zu rathe gehen, wozu ich schon seit einiger Zeit ein Bedürfniß fühle. [Baden] 12. september es ist ein herrliches Wetter, welches ich mit vollen Zügen genieße und bey- nahe den ganzen tag im freyen bin, des morgens gehe ich, ein Buch im sacke, spatzieren und frühstücke irgendwo im freyen, um die mittagszeit sitze ich im Parke, ebenso nach tische, und später mache ich irgend eine Promenade, oft mit Pallavicinis zu fuß oder zu Wagen, ebenso oft allein, die alten Badner habitués, Palfy, csáky, Bethlen & c. kann ich schon so auswendig, daß ich mich vollkommen befriediget fühle, wenn ich sie täg- lich auch nur 1/2 stunde genieße, und dem ist ohnehin nicht auszuweichen. louis Palffy, der mit seinen kindern hier ist, sehe ich öfters, besonders bey tische bey der stadt Wien. Auch Josika ist hier, geschraubt und Pelham-bit- ten2 wie immer. diese romanschreiber ahnen gar nicht, was sie für ein un- heil stiften, wenn sich oft eine ganze generation in einen ihrer charactere vernarrt und denselben dann, jeder nach seiner fähigkeit, copirt, an Pelham z.B. sind alle ungarischen „staatsmänner“ der generation, die unmittelbar der meinigen voranging, krank und langweilig geworden. nur des Abends gerathe ich in eine gelinde verlegenheit, das theater ist zu schlecht, eine elende copie des jämmerlichsten aller originale, nämlich 1 Andrian verbrachte mit dieser jungen frau, später nennt er ihren namen mit marie meix- ner, im oktober einige tage in graz (vgl. eintrag v. 25.10.1852). Auch später traf er sie immer wieder, wenn er in Wien war. 2 gemeint ist die von edward Bulwer lytton geschaffene figur des gentleman Pelham.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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