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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 582 -
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Tagebücher582 der Wiener volksbühne, und dennoch ist es kaum zu vermeiden, daß ich je- den Abend auf 1/2 oder 3/4 stunde (länger halte ich es absolut nicht aus) hineingehe, den übrigen theil des Abends spatziere ich herum, trinke caffeh in einem caffehhause (was ich sonst nie thue), habe auch mitunter ein klei- nes rendezvous als herzstärkung etc., gehe übrigens oft schon nach 9 uhr nachhause. meine Bodenbacher Bekanntschaft ist spurlos untergetaucht, sie kam nicht, wie sie versprochen, hieher, und da ich weder nahmen noch Adresse weiß, so ist nichts weiter zu thun, gestern war ich in der stadt und gab mir mühe, auf ihre spur zu kommen, jedoch umsonst. das neue Anlehen von 80 millionen ist eröffnet, im inlande! welches je- doch nur pro forma ist, indem alle Welt weiß, daß nicht 20 millionen im in- lande subscribirt werden werden. rothschild soll den zu erwartenden rest übernehmen.1 die ganze operation drückt unseren credit noch tiefer, be- sonders da niemand ein ende des ewigen leihens und deficits absieht. der kaiser geht am 14. nach ungarn, wo contre vent et marie trotz cholera, ko- sten, Wasser- und futtermangel ein enormes cavallerielager stattfindet, im übrigen die alte leyer, klagen, unzufriedenheit überall, vexationen, druck und Willkür im Zunehmen, und in Allem und Jedem wird de préférence die möglichst verletzende form herausgesucht. die minister schrumpfen immer mehr zu bloßen départementschefs ein, regiert wird eigentlich, wieder wie früher, gar nicht, nur manchmal in lieutenantsweise recht brutal durchge- fahren. mich ekelt die ganze sache an, und darum sehe ich mir dieselbe nur ganz oberflächlich an (lese daher auch keine Zeitung) und lache also dazu, das erhält wenigstens die ruhe und eine leidliche stimmung, zu helfen wäre ja doch nicht, und diese leute sind zu jämmerlich, um etwas anders als mit- leid, ekel oder verachtung zu erwecken. Am meisten stoff zum lachen und inward chuckling (freylich eine traurige Beschäftigung) aber geben mir die Altconservativen, zumeist natürlich die ungarn, welche nach Absolutismus schrieen und verlangten, die Verfassung vom 4. März umstürzten; ihnen ist nun anscheinend willfahrt worden, on les a laissé faire, hat den nutzen ein- gestrichen, aber zum vortheile des despotismus und der Bureaukratie. Jetzt machen die leute schafsgesichter und sind völlig verdutzt. A chacun son métier. opposition machen, und gut freund mit dem hofe bleiben wollen, das ist einmal unmöglich. 1 die Zeichnungsfrist für die staatsanleihe über 80 mill. gulden war vom 9.–18.9.1953, sie wurde entgegen Andrians Annahme weit überzeichnet, 30 mill. gulden übernahm das Bankhaus rothschild auf eigene rechnung. der ertrag sollte verwendet werden für die verminderung der staatsschuld bei der nationalbank (15 mill.), zur verminderung des Papiergeldumlaufs (25 mill.), für eisenbahnbauten und „zur vermehrung von eisenbahn- Betriebsmitteln“ (20 mill.) sowie für die „allgemeinen staats-erfordernisse“ (20 mill.).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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