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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 586 -
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Tagebücher586 ren und unteren classen (die er freylich besser zu kennen im stande ist) für weit drohender und verbitterter hält als ich. gabrielle ist nach unzähligen müh- und drangsalen, die mit dem verges- sen ihres Passes in BadenBaden anfingen, der sie dann in lucern, wohin ich ihr ihn nachschickte, nicht fand, endlich in stupinigi angekommen und findet zwar die königinn1 nicht, wohl aber ihre umgebung sehr verändert, c’est clair. hier fängt es an kalt und herbstlich zu werden, mein umgang ist der- selbe. die großen manœuvers bey Pesth sollen in ein paar tagen aus seyn, worauf der kaiser nach croatien geht. man erwartet nächstens das „provi- sorische“ (?!) ehegesetz, welches ultra-clerical seyn soll, überhaupt regt sich der catholicismus immer mehr, doch wird es lange dauern, bis er in unserem volke Wurzeln faßt, vor der hand wird eher das gegentheil erfolgen. die militärpolizeyherrschaft greift immer mehr um sich, kempen hat sie und als hauptwerkzeug derselben die gensdarmerie in händen. von Bach spricht kein mensch mehr, doch bleibt er um desto sicherer, je unbedeutender er wird, à quoi bon le remplacer? das Anlehen ist brillant, ganz gegen Aller vermuthen, zustandegekommen, anstatt 80 millionen sind über 110 subscri- birt worden, daher eine reduction stattfindet, das ist ein brillanter triumph rothschilds, in dessen rachen man sich nun wieder geworfen hat, nachdem krauss sich von ihm zu emancipiren versucht hatte, seinen manœuvers und wohl vielleicht auch in etwas der geschicklichkeit Brentano’s, welchen man jetzt als finanzminister designirt, dürfte dieses unerwartete resultat zu- zuschreiben seyn, welches übrigens nur dazu dienen wird, die machthaber noch mehr, politisch sowohl als finanziell, zu verblenden. im übrigen regiert man wie immer so ungeschickt als möglich, und na- mentlich in allen materiellen fragen, hemmt und zerstört die productiven kräfte des landes, das wichtigste aller gesetze, ein vernünftiges gewer- begesetz, wird auf unbestimmte Zeiten hinausgeschoben, das verhältniß zwischen Arbeitgebern und Arbeitern durch einseitige und barbarische Beschränkungen dieser letzteren auf unnatürliche Weise gestört. Jetzt hat man sogar die Zinsen, die das Wiener versatzamt für seine darleihen nimmt, auf 6 und 8 % erhöht und dagegen den capitalisten, welche dem ver- satzamte capitalien leihen, den Zinsfuß von 4 auf 5 % erhöht! [Baden] 30. september gestern, an einem herrlichen warmen tage, war ich in Wien, das dritte und wahrscheinlich letztemahl von hier aus, denn in 4–5 tagen denke ich 1 königin Adèle (Adelheid) von sardinien-Piemont, die Andrians schwester seit der Zeit als hofdame am hof von deren vater vizekönig erzherzog rainer kannte.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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