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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 597 -
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59727. November 1852 ganz oder halb deutschland endlich einsieht. Zugleich wollte man wohl auch Bruck wegen des Wiedereintrittes ins ministerium sondiren, denn man sieht nach und nach, daß weder Baumgartner noch Brentano den karren aus dem drecke schieben werden, daß der credit und die curse trotz der sogenannt brillanten Anleihe sich nicht bessern und die geldnoth und verlegenheit sowohl bey der regierung als namentlich im Publicum immer zunehmen. der gewerbestand und die industriellen sind aux abois, alle Produktion und namentlich jeder Ausfuhrhandel stockt, und die Quellen des nationalreich- thumes, die man so gar nicht zu öffnen und zu benützen versteht, versiegen, wenn das so fortgeht, so kommen wir nicht nur zu einem staats-, sondern zu einem nationalbankrott. dabey steigt das Ausgabebudget immer mehr, seine majestät der kaiser werfen für militär 66 millionen hinaus, im mo- nathe october betrugen die militairauslagen allein 16 mill.!! Auch für seine persönlichen Ausgaben kennt der junge herr kein maaß und Ziel, nur in ei- ner richtung knickert er, nämlich in Allem, was kunst, Wissenschaft etc. be- trifft, allen Anstalten, Bibliotheken etc. werden die dotationen geschmälert oder genommen, kurz es ist ein kamaschenknopf, der in keiner Beziehung auch nur eine idee von etwas grandiosem hat. Bruck hat natürlich nichts von Allem angenommen und reist heute nach triest zurück, nachdem er sehr viel und lang beym kaiser war. Zugleich gibt es wieder verschwörungen, Arrestationen und verurthei- lungen überall, in italien sind 2 Bischöfe zum tode verurtheilt und auf ra- detzkys Antrag auf 20 Jahre kerker begnadiget worden, in ungarn sind ebenfalls viele emissäre und Andere, darunter einige sehr vornehme leute, verhaftet und hieher gebracht worden, und man sagt, daß nächstens ein paar hinrichtungen stattfinden sollen. davon erfährt man aber nur durch Zufall. trotz alle dem scheint unsere Polizey, welche alle Welt beunruhigt und plagt, nicht den zehnten theil von dem was vorgeht zu wissen, so hörte ich z.B. neulich, daß der ungarische insurgentengeneral vetter im vorigen sommer 2 monathe lang in der lombardie gewesen sey, ohne daß die regie- rung etwas davon wußte. die unsicherheit in ungarn etc. ist ärger als je. ich habe in diesen tagen 2 Broschüren gelesen, welche zwar von sehr ver- schiedenem Werthe, mir doch Beyde dadurch merkwürdig waren, daß sie von ultraconservativen verfassern geschrieben, dennoch auf das entschie- denste den Absolutismus bekämpfen. die eine von franz in Berlin, „die staatskrankheit“,1 die Andere von montalembert. diese letztere, eine der vortrefflichsten schriften, die ich seit lange gelesen, kämpft für das (jetzt so viel und misérabel beschimpfte und gelästerte) repraesentativsystem, und zwar, was das Wichtigste und neueste bey der sache ist, vom katholi- 1 constantin frantz [sic], die staatskrankheit (Berlin 1852).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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