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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 598 -
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Tagebücher598 schen standpunkte!1 – er beweist, daß catholicismus und Absolutismus sich ausschließen und die repraesentativregierung die gedeihlichste form für den katholizismus sey. die schrift gefiel mir so gut, daß ich sie übersetzen wollte und mit manz darüber sprach, der aber meinte, wenn sie auch er- laubt würde, so würde sie doch ihres kirchlichen gewandes wegen hier nur sehr wenig gekauft werden, und es würden davon ohnehin in deutschland übersetzungen erscheinen, für uns, die wir uns mit solcher Affectation auf die katholiken spielen (obwol es meiner überzeugung nach der regierung, vielleicht thun und einige Bischöfe ausgenommen, damit gar nicht ernst ist, sondern sie nur darin ein mittel für den Absolutismus gefunden zu ha- ben glaubt), ist diese schrift und die darin gepredigte neue Allianz ein sehr merkwürdiges ereigniß, und ich bin neugierig, wie sich unsere katholiken- parthey diesen gegenüber benehmen wird, überhaupt will ich mich über das thun und treiben und die tendenzen dieser Associationen näher informi- ren, sie sind weit mächtiger als man glaubt, und nebstbey die einzigen, die vom Jahre 1848 noch übrig geblieben sind. ich möchte gerne mich mit irgend etwas beschäftigen, d.h. activ, produ- ciren, aber das ist schwerer als man meinen sollte. schmerling will, ich soll meine mémoiren, namentlich über meinen Aufenthalt in england im Jahre 1848, schreiben, natürlich vorerst nicht für die öffentlichkeit, ebenso wie er seine mémoiren schreiben will. henriette todesco, die ich sehr viel sehe, will, ich soll einen politischen roman aus der gegenwart schreiben, ich habe weder zu einem noch zu dem Anderen lust. mehr lust hätte ich zu histo- rischen Arbeiten, immer aber mit Bezug auf unsere Jetztzeit, wodurch es freylich mehr Pamphlet als geschichte werden würde, so z.B. beschäftigt mich jetzt die idee, eine monographie tschernembl’s zu schreiben. das wäre ein praegnanter gegenstand, den ich aber, wenn geschrieben, wohl auch im kasten verstecken müßte. ich bin einmahl in die practische, handelnde Welt geworfen und könnte nur einer ebensolchen thätigkeit geschmack abgewin- nen. Was die engländer thun, das thun sie grandios und würdig, dieses muß man ihnen lassen. Beweis dessen die magnifique leichenfeyer Wellingtons, und wir haben dabey wieder einen Beweis unserer kleinlichen peevishness gegeben. fritz thun geht nach Berlin, eigene Wahl des kaisers, nicht Buol’s, und höchst wahrscheinlich eine unglückliche. Prokesch sollte und wollte nach constantinopel, doch protestirt rußland gegen ihn, für mich wäre das ein grund für ihn, es wird aber wohl anders kommen. 1 charles forbes comte de montalembert, des intérêts catoliques au XiXe siècle (Brüssel, Paris 1852).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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