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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 604 -
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Tagebücher604 fritz deym ist hier, um den Winter hier zu bleiben. gabrielle kehrt mor- gen nach Pesth zurück, die Barkoczy sehe ich, wie hier zu erwarten war, wenig, helene fast gar nicht. die sache ist eingeschlafen, nachdem sie mir immer unangenehmer geworden war.1 ich lebe jetzt mit einer sorglosigkeit in den tag hinein, die ich mir nicht erklären kann, und von der ich nicht weiß, ob ich mich darüber freuen soll oder nicht, allerdings ist dabey meine laune heiterer, mein geist freyer, die augenblickliche existenz angenehmer, ich bin besser disponirt, mich zu amusiren und das Wenige zu genießen, was Wien biethet, nur in einer Be- ziehung denke und sorge ich für meine Zukunft, um sie den chancen des Zufalles möglichst zu entreißen: ich mache eben die einleitenden schritte, um in den maltheserorden aufgenommen zu werden und allenfalls einmahl eine commende zu erhalten,2 der moment ist nicht ungünstig. mathilde Berchtold war, von england kommend, mehrere tage hier, wäh- rend welcher ich sie viel sah. durch sie erfuhr ich, daß Alexander trubetzkoi die tochter marie taglionis geheirathet habe! meine freundinn henriette todesco has had her time und fängt an, mich ein bischen zu langweilen, ich habe sie von Anfang an richtig beurtheilt, nur daß ich damals toleranter war. man mag sagen was man will, eine would-be geniale frau à la Bettina,3 dabey nicht mehr ganz junge gurli4 in beständi- ger fieberhafter Bewegung ist auf die länge eine ermüdende gesellschaf- terinn, besonders für Jemanden, der an den guten ton und die manieren der guten gesellschaft gewöhnt ist. manchmal gehe ich doch noch hin und treffe zuweilen lady William russell bey ihr. es sind wieder ein paar nicht unwichtige gesetze erschienen: eine neue Jurisdictionsnorm für die zu erwartende neue organisirung der richterli- chen Behörden, ein forstgesetz, ein vereinsgesetz noch drakonischer als das jetzige, selbst für nichtpolitische vereine, um nur ja gewiß jede industrie und selbstthätigkeit zu hemmen.5 1 gemeint ist eine von Andrian – über Anregung seiner schwester gabrielle – angedachte Heirat mit Gräfin Helene Barkóczy. 2 Andrians gesuch um kaiserliche genehmigung seines Antrags auf Aufnahme in den or- den, datiert mit 27.12.1852, und dessen Ablehnung durch kaiserliche entschließung vom 23.4.1853 in K. 115, Umschlag 669; vgl. auch Eintrag v. 12.5.1853. 3 die schriftstellerin Bettina v. Arnim. 4 gemeint ist wohl die von August v. kotzebue in seinem lustspiel „die indianer von eng- land“ geschaffene figur des naiven mädchens gurli, vgl. auch die „gurli-Polka“ von Josef strauß. 5 die Zivil-Jurisdiktionsnorm für das engere österreich v. 20.11.1852 wurde am 15.12.1852 im reichsgesetzblatt veröffentlicht, die entsprechenden Bestimmungen vom selben tag für lombardo-venetien und dalmatien folgten am 28. und 31. dezember, jene für die unga- rischen länder (v. 16.2.1853) und siebenbürgen (v. 3.7.1853) erschienen am 25.2. bzw.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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