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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 608 -
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Tagebücher608 ankündigen werde, also auch noch eine insulte in der form, übrigens dürf- ten ihnen da die fettesten Bissen entgehen: Breuner, der neulich bey mir war, reist nächster tage nach italien, lamberg ist nicht hier, fritz deym ist so krank, daß er noch lange nicht wird ausgehen können, und montecuccoli ist todt, ich aber bin gewarnt. das jetzige regiment bey hofe (nämlich kaiser und erzherzogin sophie, obwohl auch zwischen diesen Beyden nichts weniger als kindliche Zärtlich- keit herrscht) ist auch unter denen, welche sich gar nicht mit Politik be- schäftigen, höchst unbeliebt, am allermeisten bey den älteren gliedern des hauses und den älteren hofbeamten jeder categorie selbst, sie fühlen sich zurückgesetzt und mißhandelt, und diese stimmung erstreckt sich allmälig auf einen immer größeren theil der Aristokratie, so daß nach und nach als hofpartey niemand übrig bleibt als einige wenige ganz bornirte schafsköpfe und solche, deren Wuth und rachedurst für die im Jahre 1848 ausgestandene Angst noch immer nicht gesättiget ist, zu den erstern rechne ich besonders erzherzog Albrecht, zu den letzteren fast nur einige Weiber. das militär ist höchst unzufrieden, wegen seiner pecuniär fast unerträglichen lage, durch die vielen transferirungen, dislocirungen und Adjustirungsveränderungen, dem gemeinen manne hat man durch das verboth, sich außer dienst, sogar als statisten auf den theatern zu beschäftigen, jeden erwerb unmöglich ge- macht, dazu der nepotismus und die rücksichtslosigkeit in Avancement, Pensionirungen etc., der nie so arg war wie jetzt, endlich beginnt in dem, täglich geringer werdenden, aristokratischen theile der Armée das angebo- rene standesgefühl sich zu regen. daß die Beamten aller categorieen höchst mißvergnügt sind, versteht sich von selbst, ich frage nun, was bleibt übrig? die valuta war im raschen sinken bis auf 7% herabgegangen, gestern hob sie sich wieder auf 9%, jedenfalls eine enorme Besserung, welche nicht zu erwarten war und auch kaum genügend zu erklären ist als durch einen panischen schrecken, welcher alle Besitzer von metallvorräthen ergriffen hat, die namentlich aus den Provinzen ihre vorräthe zum verkaufe hieher schicken, daß auch die regierung namentlich durch ihre im Auslande ge- schlossenen silberanleihen einwirkt, ist sehr wahrscheinlich, ich bin nun neugierig, ob nicht wieder eine nahmhafte reaction eintreten wird? mittler- weilen dauert die geldnoth fort, und unsere industrie befindet sich in einer crisis, welche vielleicht eine wohlthätige werden könnte, wenn sie nur ca- pitalien zu ihrer disposition hätte, welche sie in den stand setzen würden, den kampf mit dem Auslande zu bestehen. dafür aber geschieht nichts, im gegentheile liegen bey der ungeschicklichkeit unserer administrativen organisation millionen von Waisengeldern1 todt in den kassen, und die 1 die vermögensverwaltung der Waisenkassen erfolgte seit 1851 durch die staatsbehörden.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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