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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 617 -
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6177. Februar 1853 ein corps von 30.000 mann nach dalmatien übersetzen zu können. ob die englische Flotte bey Corfù zusehen wird? gestern war louis napoléons vermählungsfeyer. die stimmung der aus- wärtigen mächte ist durch diesen coup de tête nur noch aigrirter geworden, namentlich aber durch die ungeschickte rede, die er bey dieser gelegenheit an den senat gehalten hat. Besonders wir fühlen uns dadurch verletzt, daß er darin gesagt hat, kaiser franz habe sich um die familienallianz mit na- poléon beworben, was erstlich erlogen, zweytens jedenfalls sehr unpassend war. im übrigen meint man, daß die neue kaiserinn, welche eine ehrgeizige junge frau zu seyn scheint, ihn eher zum kriege antreiben als ihn davon zurückhalten dürfte. Als Paroli auf Prokesch hat Preußen Bernstorff nach frankfurt ernannt,1 die entente cordiale mit Preußen scheint keinen heller werth. [Wien] 7. februar Alles blickt mit spannung nach constantinopel, von wo noch keine nach- richt über leiningens empfang da ist, auch nicht wohl vor einigen tagen eintreffen kann. mittlerweilen dauern die truppenmärsche nach dem süden fort, von der hiesigen garnison marschirt eine ganze division (lobkowitz), welche natürlich durch eine andere ersetzt wird. ich für meinen theil blicke noch fast ängstlicher nach Corfù als nach Constantinopel. Rußland hat sein ganzes 5. Arméecorps marschfertig an den dniester vorgeschoben. trotz alledem glaubt man hier im Publicum an keinen krieg, und ich auch nicht für den Augenblick. oben aber wünscht man ihn, um sein müthchen zu kühlen und seine Wuth an den ungarischen und polnischen officieren, die in der türkischen Armée dienen, auszulassen. gift und galle, und rit- terliches hosenscheißen, wie in Allem. in den höheren kreisen der gesell- schaft, welche viel zu dumm sind, um eine eigene Ansicht zu haben, sondern sich diese ganz fertig von oben einsagen lassen, herrscht sympathie für die montenegriner (welche übrigens in diesem Augenblicke schon nicht mehr existiren dürften) und große Abneigung gegen die türken. das silber Agio hat sich wieder auf 11 % gehoben. ich war neulich auf einem Balle bey lord Westmoreland, dem einzigen für mich in diesem car- neval und überhaupt in Wien seit der revolution. es amusirte mich, alle die alten gesichter, und darunter eine menge neue und zwar recht sehr hübsche comtessengesichter wieder einmahl beysammen zu sehen, sonst gibt es jetzt beynahe täglich Bälle und morgen am faschingsdienstage zum schlusse eine journée bey lichtenstein, wo ich aber überall nicht hingehe, da 1 diese information erwies sich als falsch, preußischer gesandter beim Bundestag blieb graf otto Bismarck.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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