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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 619 -
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61911. Februar 1853 ratisten in ungarn (welche, wenn wir auch jetzt „in gemeinsamer noth“ ge- genseitig patte de velours machen, mir doch wenigstens ebenso ferne stehen als die jetzigen regierungsmänner, und von denen nebstdem im falle ihres sieges von uns nichtungarn durchaus nichts zu erwarten wäre, da sie durch und durch exclusiv und kurzsichtig egoistisch sind) und glaubte, daß es nicht unmöglich wäre, daß der kaiser in folge einer solchen umkehr zu einer aus- nehmenden Popularität gelangte. von Allem diesem ist das gerade gegentheil geschehen, das system ist nicht geändert, sondern in noch schrofferer Weise fortgesetzt worden, der kaiser hat sich (ich spreche von der inneren Politik, denn in den auswärti- gen verhältnissen ist allerdings ein bedeutender umschwung oder vielmehr ein schwanken eingetreten, welches von dem mangel einer sicheren hand zeugt und oesterreichs stellung im Auslande herabwürdiget, lebte schwar- zenberg noch, wir hätten weder l. napoléon so ohne noth boudirt, noch uns im oriente so ganz von rußland ins schlepptau nehmen lassen, und wären ebensowenig in Preußen zum kreuze gekrochen) mit demselben identificirt und verfolgt es mit der ihm eigenen rücksichtslosigkeit und härte, sein charakter, sein persönlicher Wille und sein entschiedenes eingreifen in die regierungsmaschine tritt mit jedem tage mehr hervor, das odium und der tadel, welcher früher auf das ministerium und namentlich auf schwarzen- berg fiel, fällt nun ganz ausschließlich auf ihn, da man weiß, daß niemand existirt, welcher auch nur einen schatten von einfluß auf ihn besäße. so- gar das schimpfen auf Bach hat aufgehört, oder vielmehr man spricht nicht mehr von ihm. er, wie alle anderen minister, ist ganz zum commis herab- gesunken, hat sich aber dadurch seine stellung gesichert, wahrscheinlich für so lange als die ganze geschichte überhaupt zusammenhält. Jedermann weiß, daß der kaiser regiert (wenn man dieß überhaupt ein regieren nennen kann), und daß Bach nur sein bequemes ganz willenloses instrument ist, das sturmlaufen gegen ihn im nahmen von Principien hat daher ganz auf- gehört. es ist überhaupt durch dieses Auftreten des kaisers als selbstherr- scher und durch den terrorismus, womit dieses regiment gehandhabt wird, jede offene opposition zurückgedrängt worden, man kann jetzt fast nicht mehr tadeln, ohne an illoyalität ja an hochverrath zu streifen, und daher schweigt Alles. ginge es den leuten dabey materiell gut, wäre für verkehr, industrie, spekulation das feld offen, für die Ambition in und außer dem Amte eine Bahn eröffnet, würden die menschen nicht durch unaufhörliche nadelstiche, hochverrathsprozesse, kriegsgerüchte, Belagerungsstand und hundert tracasserien jeder Art gereizt, so könnte bey dem politischen indif- ferentismus und dem abgestumpften rechtsgefühle der immensen majori- tät aus jenem gezwungenen schweigen in kurzer Zeit ein freywilliges, ein geduldiges Ergeben in den jetzigen Zustand werden; von Allem dem aber
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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