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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 622 -
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Tagebücher622 rungen an das Jahr 1848 wieder aufgefrischt haben (obwol sich dießmal durchaus keine spur von englischer unterstützung zeigt), tragen natürlich schuld daran. heute aber, freylich in der ersten hitze der Aufregung, habe ich Äußerungen gehört, die alles maaß und alle vernunft übersteigen. man bringt Alles was geschieht mit Palmerstons Wiedereintritt in verbindung. lord Westmorelands stellung ist wirklich keine beneidenswerthe, und die rückkehr zu einer vernünftigen Politik, welche dann doch allein in einer Al- lianz mit england liegt, wird immer schwerer, wo nicht geradezu unmöglich. ich hoffe übrigens für die ehre der englischen regierung, daß sie von dem eben versammelten Parlamente vollmachten verlangen wird, um diesem schmachvollen offenen treiben der emigration ein ende zu machen. die nachrichten aus mailand zeigen, daß das complott weit ausgedehn- ter war als man Anfangs glaubte, und daß unsere Polizey noch immer so schlecht bestellt ist wie vor 1848. Alle Welt wußte es, nur die Behörden nicht, oder glaubten nicht daran. Auch sagt man, daß sowol gyulai (der eben auf urlaub war) als beyde Brüder strasoldo, der eine civil-, der Andere inte- rims militaircommandant von mailand, pensionirt werden sollen, ebenso der neue Polizeydirector oberst françois. schlick ist nach mailand, angeblich in familienangelegenheiten, Andere sagen, um gyulai zu ersetzen. man hat bisher ein dutzend gehängt und fulminante dekrete erlassen, in denen man meines erachtens zuwenig unterschied gemacht hat zwischen den Aufrüh- rern und der friedlichen Bevölkerung, welche (wie man selbst officiell einge- steht) nicht nur keinen Antheil nahm, sondern aufs höchste empört ist. Am 13. und seitdem sollen übrigens abermals einzelne mordthaten vorgefallen seyn. es gährt überall auf eine mysteriöse Weise, ich sage mysteriös, weil soweit wir die lage der dinge kennen, die leiter jetzt unmöglich auf einen positiven erfolg rechnen können. Auch in der türkey sieht es kunterbunt aus. leiningen wird hingehalten und, wie es scheint, bey der nase herumgezogen, während omer Pascha seine durch etwa 14 tage sistirten feindseligkeiten gegen die montenegriner wieder aufgenommen hat. unsere truppenmärsche dauern fort, jetzt sollen, wie ich höre, 60–70.000 mann in croatien und dalmatien vereiniget seyn, die vor der hand an Allem mangel leiden und in dem armen lande auch schwer zu verpflegen etc. seyn werden. An einen türkenkrieg glaubt niemand, ich auch nicht, doch wird uns diese demonstration, die monathe lange dauern kann, viel geld und menschen kosten und uns keine ehre eintragen. mit frankreich möchten wir jetzt wieder gerne gut freund seyn und cajoliren den neuen kaiser aus leibeskräften, das ist ein ewiges Auf- und Abschwanken. Wir hatten vor einigen tagen etwas weniges schnee, der aber seitdem fast ganz wieder verschwunden ist, dagegen fällt jetzt seit einigen stunden dich- ter schnee.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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