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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 625 -
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62525. Februar 1853 Antwort, in diesem Augenblicke ist wahrscheinlich der Befehl an die an den grenzen aufgestellten 80.000 mann schon unterweges, in Bosnien und herzegowina einzurücken. Jellachich führt das commando. omer Pascha hat gegen 60.000 mann in und um montenegro, wo es den montenegrinern schon ziemlich schlecht geht. man zählt hier mit Zuversicht darauf, daß alle mächte mit uns und bloß england mit der Pforte seyn werde.1 es ist ein krieg der rache und der eroberung, von allen forderungen die wir gestellt haben, ist eine einzige ernstlich und gewichtig: die des Protecto- rates über Bosnien und die herzegowina, eine forderung, welche historisch und völkerrechtlich vom Zaune gebrochen ist. ich finde dazu wenigstens den Augenblick schlecht gewählt, da wir hundert ursachen gegen einen krieg haben, und da selbst im günstigsten falle wir von diesem Protectorate kei- nen großen vortheil, rußland dagegen einen sehr bedeutenden haben wird. übrigens wird uns dieser krieg, selbst wenn er sich nicht weiter ausbreitet, eine masse geld und menschen kosten. daß der kaiser gerade in diesem Augenblicke, wo entschluß und einheitliche leitung nothwendiger sind als je, physisch und moralisch gelähmt seyn muß, ist ein großer nachtheil. Was man im falle des feldzuges am meisten zu fürchten scheint, ist un- garn, wo die Anarchie, die räuberbanden und die unzufriedenheit immer mehr überhand nehmen, so weit hat es diese heillose regierung nach Jahren der vollkommensten unbeschränktheit gebracht! in italien Proklamationen, Belagerungszustände, hinrichtungen, die fä- den des complottes scheinen sehr weit gereicht zu haben. die gränze gegen den canton tessin ist gesperrt, und gegen 20.000 tessinesen, die sich in der lombardey aufhielten, fortgeschafft. das wird, hoffe ich, jene democrati- schen cannaillen zur vernunft bringen. Alles in Allem genommen ist europa wie ein Pulverfaß, vor dem ein paar unvorsichtige leute mit brennender lunte auf und ab laufen. seit 8 tagen ist abwechselnd schnee- und thauwetter, der Winter kämpft mit dem beginnenden frühling, kalt ist es jedoch nie, nie unter 3° kälte. der handelsvertrag mit Preußen ist endlich auf 12 Jahre unterzeichnet und somit diese leidige geschichte zu ende, die détails kenne ich noch nicht.2 1 nachdem die türkei bereits in der sog. leiningen-konvention (nach dem österreichischen unterhändler graf christian leiningen-Westerburg) vom 14.2.1853 de facto die unab- hängigkeit montenegros unter garantie der beiden großmächte österreich und russland anerkannt hatte, stimmte sie nach weiteren verhandlungen ende februar dem rückzug seiner Interventionstruppen aus Montenegro zu, wodurch der Konflikt mit den Großmäch- ten beigelegt wurde. 2 der neue handels- und Zollvertrag zwischen österreich und Preußen wurde am 20.2.1853 unterzeichnet, er wurde jedoch um einen tag auf den 19. februar vordatiert, da es sich beim 20. februar um einen sonntag handelte.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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