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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 626 -
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Tagebücher626 [Wien] 28. februar War neulich alles trübe und ängstlich, so ist dagegen jetzt auf einmahl Alles rosenfarb, und der himmel hängt voller geigen. der kaiser ist entschieden auf dem Wege der Besserung, so zwar daß jede gefahr verschwunden ist, in einigen tagen hofft man, wird er aufstehen können. das Arbeiten ist ihm zwar noch verbothen, und es wird ihm wohl noch durch längere Zeit jede größere geistige und körperliche Anstrengung untersagt bleiben. Auch sieht er oder sah wenigstens bis gestern niemand als seine Ältern, sogar erzherzog ferdinand max, der vor 4 tagen ankam, hat er nicht nur nicht gesehen, sondern weiß nicht einmahl um seine Anwe- senheit, ja man fürchtet sogar, wie er die hieherkunft desselben aufnehmen werde, es ist also wenigstens von seiten des kaisers nicht um ihn geschickt worden. die wichtigste neuigkeit aber ist die Beylegung der differenzen mit der türkey, welche alle unsere Begehren zugestanden hat. leiningen ist heute hier eingetroffen. vorgestern gegen mittag kam die telegraphische meldung von triest. Am selben tage war ein panischer schrecken auf der Börse, da man im gegentheile den krieg als bereits ausgebrochen ansah, die 5% fie- len um 5, die nordbahnaktien um 22 Procent. die regierung, welche zu je- ner Zeit doch schon den Ausgang wußte, schwieg sehr zur unzeit, indem sie durch eine rechtzeitige mittheilung nicht nur große verluste, sondern auch den moralischen mißkredit verhütet hätte, welchen solche Paniques auf die hiesige Börse und auf das vertrauen des landes in die eigenen Zustände im Auslande werfen müßten. noch am selben Abende aber, da jene nachricht bekannt wurde, und mehr noch an der heutigen Börse (gestern war sonntag) stiegen die Papiere wieder noch um mehr als sie gefallen waren. es ist dieß allerdings ein triumph in der Art wie der von olmütz im no- vember 1850, welcher uns Ansehen und respekt im Auslande verschaffen muß, namentlich im oriente, wo Beydes so sehr gesunken war, wir verdan- ken ihn dießmal ohne Zweifel dem energischen Auftreten des kaisers, dem es an entschlossenheit gewiß nicht fehlt, das beweisen auch die neuesten draconischen maßregeln gegen die schweiz, gegen die überhaupt jetzt ein donnerwetter losbrechen dürfte.1 england hat sich in der türkischen frage sehr freundschaftlich für uns benommen und wahrscheinlich sogar den Aus- schlag gegeben. 1 Als reaktion auf den mailänder Aufstand vom 6.2.1853 wurden am 16. februar sämtliche Bürger des schweizer kantons tessin binnen drei tagen aus der lombardei ausgewiesen. Der Konflikt mit der Kantonsregierung gründete sich neben deren angeblicher Unterstüt- zung von revolutionären Bestrebungen in ihrer antiklerikalen Politik (u.a. schließung von Priesterseminaren und Ausweisung von lombardischen kapuzinern).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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