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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 627 -
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62728. Februar 1853 natürlich ist es, daß die militärs und ihre blinden Anbeter sich über den diplomatischen erfolg leiningen’s in die Brust werfen und thun, als ob ein feldmarschallleutnant eo ipso auch schon ein vortrefflicher diplomat wäre, während doch hier das verdienst allein dem kaiser zukömmt. Andererseits hat das militärische Polizeyregiment durch die letzten vorgänge hier und in mailand einen starken stoß erlitten. libényi wurde vorgestern gehängt. das urtheil ist entsetzlich ungeschickt abgefaßt, ellenlang, und spricht von Arbeiterclubs, unzufriedenheit der massen (welche man doch bisher als die stütze der jetzigen Politik ausgab) etc. ob und welche weitere verbindungen er gehabt, weiß man noch nicht, überhaupt wird die sache sehr geheim betrieben und immerfort weiter in- quirirt. doch scheint es, daß er von Andern zu seiner that aufgehetzt wurde. in Pesth und in ganz ungarn spukt es bedeutend, Proclamationen, Auf- rufe etc. wurden gefunden, hinrichtungen finden alle tage statt, in linz (!) gab es ebenfalls spektakel bey gelegenheit der Absingung der volkshymne. nachdem der hiesige Adel den rechten moment, seine glückwünsche in corpore darzubringen, versäumt hat, so ist beschlossen worden, dieses bis zur herstellung des kaisers zu verschieben, um wenigstens dann die ersten zu seyn. grünne ist bereits davon benachrichtiget worden und hat erklärt, daß seine majestät uns dann empfangen würden. überhaupt haben sich bey dieser gelegenheit alle die alten körperschaf- ten, welche Bach und consorten weggewischt zu haben wähnten, wieder ge- zeigt. ständische collegien, schlesischer convent, Adel etc., Alles war wie- der wie in einem nu beysammen, ohne Anfragen und Autorisation, als wäre das kartenhaus der neuen sogenannten organisationen nie da gewesen. ich hoffe, daß dieser umstand sowie die loyalität, welche sich bey diesem An- lasse gezeigt hat, dem kaiser die Augen öffnen und ihm beweisen wird, wie schwer und namentlich wie gefährlich gerade für ihn (der dabey am meisten zu verlieren hat) es ist, den historischen Boden und das recht zu verlassen. opes regum corda subditorum1 ist doch kein leeres Wort, und er wird hof- fentlich einsehen, daß man opposition gegen eine regierung und ein system machen kann, ohne deßwegen illoyal oder ein republikaner zu seyn. Polizey, militär und fortificationen schützen ihn nicht, das hat er jetzt erfahren. ich gestehe, daß ich einige (wenn auch nur einige) hoffnung in diese 14 tage ge- zwungenen nachdenkens setze. si non, que notre destinée s’accomplisse. in diesem letzteren falle werden seine neuesten triumphe im oriente etc. nur dazu dienen, ihn noch mehr zu verblenden und zu verhärten. der handelsvertrag mit Preußen soll ein meisterstück seyn, so sagt sogar Becher, der gewiß nicht zu gunsten Brucks bestochen ist. mittlerweilen aber 1 der Wahlspruch kaiser leopold ii.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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