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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 632 -
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Tagebücher632 die damen, und unter diesen hauptsächlich die jungen mädchen hervortha- ten) und ging wieder, ohne mit Jemand ein Wort zu sprechen, durch. es ist schade, daß seine schüchternheit ihn bey solchen gelegenheiten verhin- dert, seine rolle zu spielen wie er sollte, ein fürst muß es verstehen, zu rechter Zeit (nämlich beynahe fortwährend) comödie zu spielen et de viser à l’effet, übrigens sah er, besonders bey seiner rückkehr, bewegt und er- griffen aus. könnte dieser herzliche, rührende empfang, der ihm heute von allen seiten geworden, einen bleibenden eindruck auf ihn hervorbringen, so wäre das ein glück für viele, namentlich aber für ihn selbst, daß er sich heute zum erstenmahle so ganz ohne militärischen Apparat dem Publikum zeigte, beweist richtigen takt, hat einen außerordentlich guten eindruck gemacht und möchte beynahe auf einen umschwung in seinen gesinnun- gen hoffen lassen. Abends war die stadt beleuchtet, und bis in die späte nacht ein gedränge von hunderttausenden auf den straßen, dabey Alles im besten humor und ohne die geringste störung noch excess. die Wiener sind ein gutmüthiges volk und weder in der rancune noch in der Anhänglichkeit beständig, sie jubeln und schreien heute für das, morgen für Jenes. dennoch könnte der kaiser, wenn er es wollte, gerade in diesem Augenblicke sich eine Populari- tät erwerben, wie sie nur irgend einer seiner vorgänger je gehabt, aber der moment müßte benützt werden, geschieht dieß nicht, so wird es in einiger Zeit mit dieser schlechter aussehen als vor dem 18. februar, und die erzie- hung des volkes hat wieder einen schritt vorwärts gethan. das herrlichste Wetter begünstigte übrigens den heutigen tag. Bruck ist hier, man schweigt wieder von den ministeriellen veränderun- gen, der handelsvertrag wird stark besprochen, natürlich wie immer pour et contre, was mich betrifft, so sehe ich darin hauptsächlich das fatum, wel- ches die regierungen aller länder unaufhaltsam fortreißt und sie nöthigt, bewußt oder unbewußt, an ihrem eigenen ruin zu arbeiten, indem sie die kleine industrie, den conservativen Bürgerstand, ihre beste stütze, zer- stören, um an dessen stelle große fabriksherren und Proletarier, welches Beyde ihre gefährlichsten feinde sind, zu setzen. die altconservativen ungarn, welche ganz langsam zu den unversöhnlich- sten feinden der regierung und beynahe zu rothen werden, sind wie über Alles was geschieht und nicht geschieht, so auch über die letzten urbarial- patente wüthend und wühlen nach möglichkeit. diese leute sind um kein haar besser als die jetzigen faiseurs, ja in gewisser Beziehung sind mir diese letzteren sogar noch lieber. übrigens sind Jene gestorben und begraben, und somit requiescant in pace.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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