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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 639 -
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6397. April 1853 soll sein Einfluß in auswärtigen Angelegenheiten seyn. Buol scheint jedes terrain verloren zu haben, er ist zu vernünftig, ruhig und honett. vis con- silii expers. das nennt man jetzt energie, oder wie erzherzog Albrecht in einem Arméebefehle vor 3 Wochen sagte: ich werde Alles, auch unnützes Blutvergießen gut heißen und veranworten, nur keine lauheit im dienste, so etwas gefällt jetzt. man spricht also von Bach als ministerpräsident, dann wieder als con- ferenzminister, während alle andern ministerien eingehen und wieder zu hofstellen werden sollen. damit wieder das alte system der effacirung der Persönlichkeiten, des regierens hinter der spanischen Wand einreiße. har- tig hörte ich auch als einen der künftigen conferenzminister nennen, und ebenso Baumgartner, welcher ganz zur creatur Bachs geworden ist. die europäischen Angelegenheiten sehen noch immer unbefriedigend aus, namentlich ist es merkwürdig, was die türkische frage bloß dadurch, daß man sie, gezwungen oder muthwillig, in Angriff nahm, für einen schritt gemacht hat. Jedermann gibt eigentlich das Princip der fortdauer des türkischen reiches in europa auf, rußland aus ländergier, wir aus dummheit, england aus krämerhafter feigheit, frankreich um etwas And- res dafür zu bekommen. uns wird es denn doch nicht behaglich zu muthe, und wir nähern uns frankreich, um einen rückhalt gegen rußland zu ge- winnen, eine Annäherung, welche zwar bey dieser unglückseligen erbitte- rung gegen england unser einziger Ausweg bleibt, welche aber doch meiner Ansicht nach zu nichts führen wird, weil wir, wenn auch im oriente einig, doch durch die natur der dinge an fast allen anderen orten in opposition treten werden und müssen, daher eine entente cordiale fast zu den unmög- lichkeiten gehört, während rußland nichts leichter ist als hinter unserem rücken zu operiren, et de faire volte-face à la france. so haben wir gerade jetzt die reise des Pabstes nach Paris, um napoléon zu krönen, hintertrie- ben, ein abermaliger fiasco für diesen, überhaupt geht es der grande nation ziemlich pauvrement, und gerade dort, wo der kaiser persönlich betheiliget ist, treten wir ihm entgegen, was ich zwar ganz billige, nur ist dabey keine intime freundschaft zu erwarten. gozze, der nach rom kömmt, war neulich bey mir, er ist einer der geist- reichsten menschen, die ich kenne, niedergedrückt und bestürzt durch Al- les, was er hier gesehen. im ganzen scheint seit der Wiederaufnahme der geschäfte durch den kaiser wirklich ein Wendepunct eingetreten zu seyn, aber nicht in dem sinne, wie ich ihn hoffte, sondern eher im entgegengesetzten. nebst den obigen Änderungen spricht man von der Aufhebung des reichsrathes, kübeck, an dem übrigens nicht viel verloren geht, soll abtreten. Auch im diplomatischen corps sollen große veränderungen statthaben. radetzky
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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