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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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Tagebücher640 soll sich zurückziehen, ebenso seine untergouverneure wenigstens in der lombardie, ihre nachfolger werden im sinne noch größerer härte gewählt werden. hier schraubt sich nach und nach Alles, regis ad exemplum, zu einem immer höheren diapason der leidenschaft hinauf. Der spiritus familiaris Bach soufflirt, und mit ihm oder durch ihn die ultramontanen, deren macht im steigen ist. rauscher ist erzbischof von Wien, der erzbischof von olmütz ist gestorben, und so wird die ganze hohe Prälatur der monarchie bald in ultramontanen händen seyn.1 der nun- tius Viale Prelà hat vortrefflich manipulirt, Concordat und Ehegesetz sind nächstens zu erwarten. der kaiser, der selbst nichts auf religion hält, glaubt darin ein Werkzeug des despotismus zu gewinnen. Wenn er aber auf frankreich blicken wollte, wo die ultramontanen gerade jetzt das maul sehr voll nehmen, so würde er sehen, daß er sich in ihre Abhängigkeit be- gibt, und daß mit dieser Parthey kein Abkommen zu treffen ist, daß sie nie zu befriedigen ist und nur immer mehr und mehr verlangt. Zum glücke ist weder unser volk noch unsere niedere geistlichkeit dazu geeignet, in jenes horn zu blasen, und auch in dem hohen clerus dürfte jene Parthey mehr gegner als Anhänger zählen. sind einmahl die Bischöfe von der staatsge- walt emancipirt, so werden sie sich auch von rom zu emancipiren trachten. neulich wohnte ich einer ganz interessanten vorlesung des Prof. Philipps über altenglische geschichte in einer sitzung der Academie der Wissenschaf- ten bey. ob die leute in ihrer frevelhaften dummheit auch an diese letzte errungenschaft, das geistige leben, hand anlegen werden? ich fürchte es. in diesen letzten Wochen hat mich die neue Phase, in welche mein ver- hältniß zu m[arie] m[eixner] getreten ist, ziemlich praeoccupirt, überhaupt habe ich in ihr beynahe in jeder hinsicht viel mehr gefunden als ich er- wartete. glücklicherweise löst sich die jetzige verwickelung auf die beste und einfachste Weise von selbst, wenn auch ihre leidenschaft jetzt noch momentane sprünge macht.2 [Wien] 20. April samstag den 10. fuhr ich um 1/2 3 nach Presburg, wo ich wegen eines Auf- enthaltes in neudorf, wo der damm wegen regen und gewässern abge- 1 der ehemalige religionslehrer kaiser franz Josephs und bisherige fürstbischof von seckau, Josef othmar v. rauscher, wurde als nachfolger des am 14.3.1853 verstorbenen vinzenz eduard milde fürsterzbischof von Wien. Auf dem olmützer stuhl folgte landgraf friedrich fürstenberg dem am 31.3.1853 verstorbenen freiherr maximilian Josef som- merau-Beeckh. 2 Andrian scheint hier auf die geplante heirat seiner geliebten hinzuweisen. Jedenfalls schreibt er am 16.6.1854, sie habe sich „durch die ehe in mancher Beziehung zu ihrem vortheile verändert,“ leider sei jedoch ihr sohn gestorben.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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