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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 647 -
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64712. Mai 1853 eine andere unangenehme und unerwartete erfahrung habe ich so eben machen müssen. seine majestät der kaiser, immer bereit, seinen getreuen unterthanen in großen wie in kleinen dingen auf die füße zu treten, ha- ben mir die erlaubniß, in den maltheserorden zu treten, abgeschlagen, hat einstweilen auf sich zu beruhen, so lautet die Allerhöchste entschließung. dieser vorgang, welcher ganz ohne Beyspiel ist, sieht einer kleinlichen Bosheit sehr ähnlich, besonders nachdem er von december bis jetzt auf sich warten ließ und gerade am vorabende des ordenscapitels erfolgte, welches am 18. dieses Monats stattfindet, worin ich aufgenommen werden sollte,1 also zu einer Zeit, wo alle nicht unbeträchtlichen vorauslagen und mühe bereits gemacht waren, und zugleich die sache, welche bereits auf dem Punkte der entscheidung war, eine gewisse Publicität erlangen muß. Aufrichtig gestanden liegt mir weniger an dem scheitern des Planes selbst, als mich dieser absichtliche nadelstich verletzt, im grunde lag diese ganze idee, in den orden zu treten, außerhalb meiner laufbahn, und war gleich- sam eine Anomalie, wenn es auch vor der hand zu nichts weiter führen sollte und geführt hätte als dazu, mir für alle möglichen fälle eine thüre offen zu halten, und vielleicht liegt daher wieder etwas providentielles in ihrem scheitern. Aber soviel sehe ich daraus, daß ich vor dem Allerhöchsten keine gnade noch gefunden habe, und es gibt mir dieses, zusammengehalten mit dem folgenden, einen Anlaß, um die sache endlich einmal zum klappen zu brin- gen, so oder so. ich habe nämlich erfahren, daß ich wirklich vor die kammer- herrnpurificirungscommission gestellt worden bin (nach österreichischen rechtsbegriffen ohne daß ich etwas darum wissen soll), daß lanckoronski sich deßhalb an das ministerium der Auswärtigen Angelegenheiten gewen- det, und daß dieses ihm sämmtliche dépêchen kollers aus london von July 48 bis Jänner 1849 in Betreff meiner übersendet habe. diese dépêchen nun sprechen natürlich sehr zu meinen gunsten, so zwar, als ich nach der Äu- ßerung desjenigen, der mir Alles dieses mittheilte und der sie gelesen hat, zum Wenigsten den leopoldiorden dafür erhalten sollte, eine verlegenheit, vor welcher mich übrigens mein guter stern bewahren wird. ich will nun diese beyden vorfallenheiten zusammenfassen, den Anlaß jener Abweisung ergreifen und auf meine förmliche rechtfertigung drin- gen, wobey ich mich speciell auf jene diplomatischen Aktenstücke berufen 1 Andrian hatte um die genehmigung seines Aufnahmeantrags am 27.12.1852 angesucht, vgl. eintrag v. 17.12.1852. die kaiserliche entschließung vom 23.4.1853, wonach „die Bitte euerer hochwohlgeboren um Bewilligung, sich um den eintritt in den Johanniterorden als wirklicher ritter bewerben zu dürfen, bis auf weiteres auf sich zu beruhen habe“, wurde Andrian offiziell erst durch ein Schreiben der niederösterr. Statthalterei v. 18.6.1853 über- mittelt (k.115, umschlag 669).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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