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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 648 -
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Tagebücher648 will. diese böswillige, durch das geschwätz alter Weiber und die intriguen einiger hundsfötter wie Bach & c., die dabey ihre speciellen Absichten hatten, herbeygeführte verdächtigung, welche gegen alle vernunft und geschichtliche thatsachen verstößt und mich mit leuten und richtungen zusammenwirft, gegen die ich mit mehr erfolg und energie gekämpft habe als sehr viele Andere, muß endlich aufhören, und dringe ich damit nicht durch, so weiß ich doch wenigstens ein für allemahle, wie ich stehe. leider ist in diesen letzten Jahren von oben so vieles geschehen, welches meine stellung total verrückt hat, war ich in den Jahren 1848 und 1849 ein mann der regierung und was man damals einen conservativen nannte, so bin ich jetzt, ohne von meinem damaligen standpunkte gewichen zu seyn, bloß durch die verrückung aller dinge um mich her, ein oppositionsmann und verhaßter liberaler (doppelt verhaßt, weil gemäßigt) geworden, in dieser Beziehung aber zum kreuze kriechen und meine gesinnungen zu verläugnen, dazu bin ich zu ehrlich, zu stolz und auch zu verbittert, abge- sehen davon, daß ich meine sache auf die Zukunft gestellt habe. ich soll daher, während ich mich zu rechtfertigen trachte, zugleich meine vorbe- halte machen und den leuten sagen oder sie doch fühlen lassen, daß ich zwar nicht damals, wohl aber jetzt ihr gegner sey. das ist jedenfalls eine sehr awkward position. von einer versöhnung, nämlich einer aufrichtigen, kann jetzt keine rede mehr seyn, unter keiner Bedingung, nie. dieses hin- dert jedoch nicht, daß ich eine gewisse categorie von Anstellungen, z.B. di- plomatische oder auch gewisse nichtpolitische im inneren, ohne Bedenken annehmen würde, ja eine solche sogar aus vielerley gründen (der vornehm- ste ist der drang nach Beschäftigung, wofür ich außerdem durchaus kein anderes feld erblicke) sehr wünsche. kurz, die ganze geschichte ist embrouillirt, und ich bin selber noch nicht ganz klar mit mir, soviel ist gewiß, daß ich jetzt lärmen schlagen will und als verkannter Patriot auftreten, unter der rubrik kränkungen führe ich an 1. die Abweisung wegen des Johanniterordens, 2. meine stellung vor die Purificirungscommission als Kämmerer, über welche letztere ich übrigens sehr erfreut bin, weil sie gelegenheit gab, jene diplomatischen Aktenstücke zu tage zu fördern. ich war denn gestern bey kübeck und sprach sehr lange mit ihm über diese dinge, hoffte, etwas näheres darüber zu erfahren, überzeugte mich jedoch, daß er selbst nichts wußte, er rieth mir, zu erzherzog franzcarl, mit welchem ich im Jahre 48 in einem näheren verhältnisse gestanden, zu gehen und mit diesem zu sprechen, ich habe mir jedoch die sache besser überlegt und will directe zum kaiser gehen, von seiner neuerlichsten Ab- weisung meines Ansuchens wegen des ordens Anlaß nehmend, und gera- dezu von ihm verlangen, daß er sich jene dépêchen vorlegen lassen möge,
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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