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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 652 -
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Tagebücher652 rohesten Gewande finsterer unfreundlicher Formen und beständigen Miß- trauens. Alexander mensdorff, der jetzt hier ist, härmt sich ab über diese Wahrnehmungen, es ist vielleicht der einzige mensch, der ihm wirklich at- tachirt war. der könig von Belgien verläßt Wien morgen Abend, die heirath des Herzogs von Brabant mit Erzherzogin Marie ist déclarirt, eine vortreffliche Parthie für beyde theile und ein glänzender triumph für könig leopold gegenüber den nergeleyen des jämmerlichen Aventuriers louis napoléon, welcher immer tiefer in den sand fährt. der könig von Preußen kam gestern und bleibt bis zum 23. heute war große Parade wie auch schon neulich zu ehren des könig leopold, über- haupt gibt es fest auf fest, Praterfahrten, Pirutschaden1 in schönbrunn, neulich ein Ball bey Buol, übermorgen in den kaiserlichen glashäusern, morgen Abends ein carroussel in der kaiserlichen reitschule und dgl. ich habe von Allem dem nichts mitgemacht, geladen werde ich schon seit 1848 nie mehr, und wo man sich um Karten zu melden hatte, that ich es geflis- sentlich nicht, um mich keinem refus auszusetzen, und weil ich die kam- merherrnlivrée nicht mehr tragen will, solange mir nicht eine réparation d’honneurs wird. lord Westmoreland gibt am 25. zu ehren seiner königinn einen Ball, ich habe mich aber entschuldigt und werde wahrscheinlich auf ein paar tage verreisen, um so mehr als am 26. frohnleichnamsfest, also große hofprocession ist. das Wetter war bisher tüchtig kalt und unfreundlich, die vegetation ist zwar schon in vollem flore, doch hatten wir tage von 7–8° r. und noch sel- ten über 14–15° r. Aus constantinopel kömmt regelmäßig alle acht tage ein panischer Schrecken, der sich dann immer in Nichts auflöst, bald in diesem, bald in jenem sinne. im ganzen aber scheint sich für rußland ein fiasco zu prae- pariren und zwar von der empfindlichsten Seite, nämlich durch die Grie- chen selbst, gelingt es, diese dahin zu bringen, daß sie sich selbst gegen die russischen suprematieansprüche erklären, so wäre das allerdings ein di- plomatischer meisterstreich.2 ob aber rußland eine solche défaite hinneh- men wird? sein jetziges übergewicht beruht großentheils auf dem glauben an seine unwiderstehlichkeit, und diesen nimbus darf es sich nicht so gut- willig nehmen lassen. 1 festliche kutschenfahrten. 2 im Zentrum der russischen forderungen an die türkei stand das Protektorat über die christliche, im zeitgenössischen sprachgebrauch griechische Bevölkerung des osmanischen reichs.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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