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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 653 -
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65325. Mai 1853 [Wien] 25. may es ist eine wahre sturm- und drangperiode für mich, eine tempête dans un verre d’eau, die ich aber durchführen muß und hoffentlich durchfüh- ren werde, ein paar monathe früher wäre mir vortheilhafter gewesen, denn jetzt im Beginne des sommers ist Alles im Auseinanderstieben. ich habe, da erzherzog Albrecht auf meine Bitte um eine unterredung keine Antwort gab, ihm einen gesalzenen Brief geschrieben, worin ich in ehrerbietigen aber sehr ernsten und festen Ausdrücken um eine Audienz ersuchte und eventuell die Bitte stellte, den Brief dem kaiser vorzulegen. dieser Brief und seine fassung scheint auf den erzherzog, der aprés tout doch ein honnetter loyaler character ist, trotz seiner sclavischen unter- würfigkeit vor dem Kaiser einen sehr guten Eindruck gemacht zu haben, er hatte ein paar sehr lange und angelegentliche conversationen über die ganze sache mit gabrielle, welche ich angemessen instruirt hatte, der re- frain war immer: er könne sich in die sache nicht mischen, der kaiser werde gewiß nur gerechtigkeit üben etc. demnach hätte er sich wahrscheinlich entschlossen mich zu sehen, wenn er nicht schon gestern früh wieder nach ungarn hätte abreisen müssen. Am 21. schrieb ich ihm, und diese tage waren der vielen fremden gäste wegen so gehetzt, daß er nicht wußte, wo ihm der kopf stand. so viel ist übrigens erreicht, daß er meinen Brief dem kaiser vorgelegt hat, und daß dieser, wie der erzherzog am letzten Abende gabriellen sagte, sich die koller’schen depêchen vorlegen ließ. Was nun weiter geschehen wird, vedremo. ob diese depêchen wirklich von der Art sind, um einen mächtigen eindruck auf seine majestät zu üben, ob der kaiser der mann ist, ein unrecht offen einzugestehen und wieder gutzuma- chen, Alles das muß sich bald zeigen. Allerdings gibt es eine menge dinge und thatsachen, welche in jenen depêchen nicht enthalten sind und nicht seyn können, zudem ist ja meine mission in england nur eine episode aus jener Zeit, mich selbst anzuhören wäre also in vielfacher Beziehung wirk- samer und besser gewesen. Aber so wie die sachen stehen, ist es schon viel, daß der kaiser sich bewogen fand, jene Acten der commission abzufordern, ohne das ende ihrer Arbeiten abzuwarten. Aus den reden des erzherzog Albrecht sah ich, daß man mir hauptsächlich meine Wirksamkeit vor dem Jahre 1848 zur last legt, meine beyden schriften, meine verbindungen mit der ungarischen opposition und mit den chefs der hiesigen ständischen Parthey, und dabey einiges Wahre mit vielem falschen vermengt. dem sey wie ihm wolle, die sache ist in gährung gekommen, und das ist jedenfalls besser als die fäulniß dieser 4 Jahre. Bruck ist gestern fort und geht von triest nach constantinopel, dort ist reschid Pascha und ein anglo-französisches ministerium ans ruder getre- ten. daher wenig gute Aspecten für rußland.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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