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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 656 -
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Tagebücher656 terregen, überhaupt ein sehr feuchtes frühjahr, welches schlechte Aussich- ten für die ernte gibt, besonders in ungarn, wo ein großer theil des landes unter Wasser steht. die stadt ist bereits stark geleert, der hof in schönbrunn. gabrielle war ein paar tage herin, erzherzogin hildegarde wollte nach szathmar, wo ihr gemahl an den flecken krank liegt, erhielt aber in Preßburg eine telegra- phische depesche, worin er sie bath, um gotteswillen umzukehren. kaise- rinn marianne ist hier durch nach italien, der könig von Bayern kömmt am 13. und wird wahrscheinlich nicht besonders empfangen werden, on lui reproche des manques de procédé, sodann will der kaiser nach croatien reisen. ich lebe sehr ruhig, um nicht zu sagen langweilig, mache des morgens eine Promenade, frühstücke im freyen und sehe nicht viele leute, neulich war ich auf ein paar stunden in der Brühl und besuchte henriette todesco. in meiner Angelegenheit ist nichts geschehen und wird auch nichts ge- schehen, obwohl ich wiederholt versichert worden bin, daß jene diplomati- schen Actenstücke, welche der kaiser sich hat vorlegen lassen, von der Art sind, daß sie selbst auf den befangensten leser einen außerordentlichen eindruck machen müssen. Aber ein unrecht eingestehen oder gar es gut- machen, wäre ja nicht energisch. unter diesen umständen richten sich meine Blicke immer mehr nach auswärts, obwohl ich die schwierigkeiten nicht verkenne, welche sich dem entgegensetzen, ich will darüber mit gustav lerchenfeld und wo möglich mit stockmar mich besprechen und vielleicht meinen Weg dahin über carlsbad nehmen, wo mich lenchen und clementine1 erwarten. Bruck und der orient stehen in zweyter linie, ersterer ist endlich von triest abgereist, welches auch auf eine friedliche lösung der türkischen Angelegenheit deu- tet. in dieser ist jetzt ein momentaner stillstand eingetreten. menzikoff hat von odessa den jungen nesselrode mit depeschen hieher, nach Paris und london geschickt und ist nach Petersburg abgereist, es ist ein totaler fi- asko, welchen ich den russen von herzen gönne, sie meinten to bully the turks, und da ihnen das mißlang, so geben sie jetzt klein bey, das ende wird wohl seyn, daß eine Art vormundschaftsconseil der großmächte ein- gesetzt wird und alle diese Leiningiaden, Menzikoffiaden etc. aufhören. den ganzen spectakel aber verdanken wir den intriguen der franzosen, lavalettes und seines sauberen kaisers, welcher für sein leben gern den großen kaiser spielen möchte, aber ohne gefahr und risico, dem aber die eselsohren überall unter der löwenhaut hervorgucken. 1 frau und tochter seines cousins frh. eduard v. Andrian-Werburg.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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