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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 660 -
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Tagebücher660 noch jetzt gerne sich gegen den strom stemmen, es ist sehr möglich, daß wir mit nächstem anstatt des jetzigen coalitionscabinettes ein ministerium Palmerston sehen. [Wien] 21. Juny vorgestern früh kam ein Amtsdiener aus dem cabinette seiner majestät zu mir, um zu melden, daß ich auf den nächsten tag zur Audienz bestellt sey. dieser ruf des kaisers kam mir höchst unerwartet und gab mir viel zu denken, denn er konnte die verschiedensten dinge bedeuten. Als ich dann gestern um 10 uhr zur Audienz kam, wurde ich sehr bald vorgelassen, und der kaiser sagte mir, wie mir schien in ziemlicher verle- genheit, er habe meinen Brief an erzherzog Albrecht gelesen und erfahren, daß ich ihn zu sprechen wünschte (als ob er dieß nicht schon früher, als ich mich zur Audienz meldete, erfahren hätte). Auf meine frage: ob er die kollerschen depêchen gelesen habe? erwiderte er, er habe sie sich wohl vor- legen lassen, aber noch nicht Zeit gefunden, sie zu lesen (?). Aber da ich ihn zu sprechen gewünscht habe, so möge ich nun reden. das kam mir dann ziemlich unerwartet, zudem fühlte ich (vielleicht mit unrecht), daß eine Audienz mit hundert im vorzimmer wartenden menschen und einem be- greiflicherweise etwas ungeduldigen Zuhörer keine passende Gelegenheit sey, um mit der gehörigen Ausführlichkeit eine confession générale und lebensgeschichte abzuhandeln, ich faßte mich daher möglichst kurz, sprach von meiner stellung in frankfurt und später in london, von den gründen, welche mich bestimmten, nach jenen beyden orten zu gehen, von der rolle, welche ich namentlich im october [1848] in london gespielt, und schloß mit der Bemerkung, daß ich das Bewußtseyn habe, zu jeder Zeit meine Pflicht und mehr als meine Pflicht gethan zu haben, und daß ich überzeugt sey, daß auch er dieses einsehen werde, wenn er von den Akten kenntniß nehmen wolle. er hörte mir mit vieler Aufmerksamkeit zu und schien durch die en- ergie und entschiedenheit meiner Worte bewegt und entließ mich mit der versicherung, er werde jene Papiere mit aller Aufmerksamkeit lesen. leider vergaß ich in meinem vortrage gänzlich, meine vormärzliche Wirksamkeit und stellung zu berühren, auf welche doch, wie ich aus Äuße- rungen erzherzog Albrechts abnahm, ein besonderes gewicht gelegt wird, und auch in den dingen, deren ich erwähnte, hätte ich gerne mit größerer Ausführlichkeit gesprochen, aber wie gesagt, terrain und moment schie- nen mir dazu nicht günstig, im ganzen sah ich, daß der eindruck ein wirk- licher und günstiger war, und selbst die thatsache, daß mich der kaiser rufen ließ, scheint dafür zu sprechen, daß er einzusehen anfängt, er habe mir unrecht gethan, und jedenfalls habe ich ihm das Wichtigste und für ihn interessanteste von dem, was ich zu sagen hatte, gesagt.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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