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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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66130. Juni 1853 maintenant nous verrons. das grinzende lakayengesicht Bach’s im vor- zimmer war mir keine angenehme vorbedeutung, advienne que voudra, ich bleibe derselbe, diese 4 Jahre haben ihre rechte. ich war gestern in Baden, um von gabrielle Abschied zu nehmen, da ich übermorgen abreise. carlsbad 30. Juny Am 23. früh verließ ich Wien, mich traf das unglück, bis Prag en vis-à-vis mit dem größten schaafe der k.k. Armée, mit carl Windischgrätz, zu fah- ren, der mich mit seinen albernen reden und fragen zu tode langweilte, als ich mich verdrüßlich meldete, ließ er seine conversationswuth an einem unglücklichen Americaner aus. in Wien war vor meiner Abreise weiter nichts bemerkenswerthes vorge- fallen, als daß erzherzog Albrecht, wie gabrielle mir schrieb, ihr anvertraut hatte, man werde die untersuchung gegen mich niederschlagen, geschieht dieses (was ich jedoch kaum glaube) ohne weitere motivirung, Begleitung und Publicität, so wäre ich der erste, der dagegen protestiren müßte. um 8 Abends war ich in Prag und fuhr um 9 weiter, im coupé des eil- wagens, es war eine kalte und regnerische nacht, überhaupt eine ziemlich unangenehme reise, obwohl das land, durch welches wir bey tage ka- men, blühend und schön war. um 1 uhr mittags war ich hier und stieg im schilde ab, dem ersten und doch ganz elenden gasthofe, wo ich mich aber doch nach einigem gejammer entschloß, die ohnehin nicht lange Zeit mei- nes hiesigen Aufenthaltes zu bleiben. carlsbad ist sehr angefüllt, jedoch gibt es bis jetzt nicht sehr viel distinguirte oder sonst markante Personen, und Jedermann lebt sehr zurückgezogen, so daß selbst die schon länger hier Anwesenden wenig menschen kennen. einen vereinigungspunkt gibt es nicht und ebenso wenig Jemanden, der eine Art haus oder salon machte, es sind fast lauter wirkliche kranke, und noch dazu leberkranke, daher nichts weniger als gesellig gestimmt, meistens norddeutsche, dann meh- rere engländer, welche aber ganz für sich leben, und russen, von denen einige, z.B. eine familie Paschkoff, wie ich höre, die Absicht haben, leute zu sehen, endlich ziemlich viel schweden. dagegen gibt es genug, ja beynahe zuviel männergesellschaft, vor Allem der erzherzog carl ferdinand, den ich sehr viel sehe, rudolf Wenkheim, czernin, franz salm, ernst fürstenberg, hans lobkowitz, major lazarini, Woyciechowski, lanckoronski, etc., welche ich Alle beynahe den ganzen tag sehe, kurz eine complete Wienergesellschaft, welche es nicht der mühe werth war, hier aufzusuchen. Auch fürst Paul esterhazy ist seit ein paar tagen hier, und Josephine Werthheimstein, welche ich heute besuchte, dann fürstinn rohan-Waldstein und die taxis aus Prag, welche letztere
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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