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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 662 -
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Tagebücher662 aber schon wieder fort sind, also lauter ziemlich uninteressante und mir ganz gleichgültige leute, eine recht hübsche frau, die mir ganz wohl ge- fällt, ist eine Baronne Juncker geb. verger, welche jedoch nur auf ein paar tage hier war, und deren mann zu den habitués meiner cousine Andrian gehörte. dann ist Baronne Blomberg hier, welche lust hätte, mich als eine Art antediluvianische celebrität zu exploitiren, aber sonst eine recht ge- scheidte und angenehme frau ist, neulich zog sie, als ich eben zum früh- stücke Bretzen und kipfel kaufte, bey den haaren eine vorstellung zwi- schen mir und dem jetzigen dänischen gouverneur von lauenburg, Baron Pechlin herbey, wo sie mich zwar später versicherte, er habe sie gewünscht, was ich aber nicht glaube. Auch noch andere leute gibt es, Weiber und männer, welche mich angaffen, mir schönheiten sagen, et veulent faire de l’esprit avec moi, was mich entsetzlich langweilt oder genauer ausgedrückt mich verstimmt, da es so sehr mit den gegenwärtigen verhältnissen contra- stirt. übrigens ist dieser Baron Pechlin beynahe der einzige mensch, den ich bisher hier getroffen, gegen welchen es der mühe werth wäre, das maul aufzuthun. Auch laube sprach ich gestern. von ausländischen Bekannten habe ich sonst nicht viel gefunden, darunter meinen alten freund moritz Putbus und die schöne frau Jahn aus strelitz, welche ich voriges Jahr in kissingen traf. leider ist das Wetter beynahe fortwährend schlecht, wir hatten 2 auf einander folgende tage, an denen der regen nicht einen Augenblick nach- ließ, hätte ich nicht die Andrians als refugium gehabt, so wäre es zum ver- zweifeln gewesen. vorgestern war der einzige schöne und regenlose tag, den ich bisher erlebte. Bey diesem nun seit fast 2 monathen fortdauernden regenwetter muß Alles zu grunde gehen. die Andrians (nämlich lenchen, clementine und louise) sind heute nachmittags 2 uhr fort, nach franzensbrunn,1 ich brachte den größten theil meiner tage bey ihnen zu, frühstückte gewöhnlich dort, nur heute hatten wir, die Blomberg, hruby’s, Juncker etc. ein Abschiedsdéjeuner im Posthofe, wo uns der regen erwischte, aß mit ihnen und Juncker in der stadt hannover und trank Abends bey ihnen meinen thee. ich bin nicht ganz zufrieden mit clementinen, der Aufenthalt in Berlin hat sie frivol und etwas coquette gemacht, und dabey hat sie sich einen gewissen schneiden- den bittern ton angewöhnt, welcher mir mißfällt, und auch das köpfchen ist eigensinniger geworden, als gut ist. ich will nur hoffen, daß darüber die gutmüthigkeit und herzlichkeit nicht verloren gegangen ist. sie fühlt sich in den älterlichen freylich etwas kleinstädtischen verhältnissen nicht 1 ursprünglicher älterer name des böhmischen kurorts franzensbad.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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