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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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Tagebücher666 Zeit eduard beynahe fortwährend unwohl und zu Bette war, fieber und einmahl eine plötzliche ohnmacht hatte, worüber lenchen ihre nervenzu- stände bekam, welche beynahe 24 stunden dauerten, also ein beständiges spital, so viel sah ich, daß eduard immer mehr ein gutmüthiger Ansbacher spießbürger wird, daß lenchen trotz aller ihrer gutmüthigkeit und ihres verstandes nicht alt werden kann, und daß clementine unter allen diesen menschen und dingen herumsteigt comme une reine incomprise, die sich aber selbst ebenso wenig versteht, sich die Welt als dazu vorhanden vor- stellt, um recht viele Bälle und soirées zu produciren, dabey an gar auf der Welt nichts ein interesse nimmt, folglich wenig geist und, wie ich fürchte, auch wenig herz hat. übrigens mögen sie sich da heraus wickeln, pour moi je n’ai qu’y faire. ich fuhr also am 24. mittags von Ansbach ab, war um 3 in gunzenhausen und fuhr nach einer halben stunde bey einer wirklich drückenden hitze auf der eisenbahn weiter, ich fühlte mich nichts weniger als wohl. Auf dem Bahnhofe in münchen, wo ich gegen 1/2 10 Abends anlangte, erwartete mich gustav lerchenfeld, mit welchem ich eigentlich auf heute den 26. ein rendezvous hier in salzburg verabredet hatte. das schlechte Wetter in den Bergen (während wir seit beynahe 3 Wochen keinen regen gehabt haben) und die nothwendigkeit, ein seebad zu gebrauchen, hatten ihn bestimmt, seinen Aufenthalt in den Bergen abzukürzen und mir bis münchen entge- genzugehen, wo er mich seit 2 tagen erwartete. ich war aber an demselben tage zu erschöpft, um noch zu seinen damen zu kommen, und so begleitete er mich nur bis zu meinem hôtel, dem goldenen hirschen. tages darauf, den 25. um 9 uhr, als ich eben mit meinem frühstücke fer- tig war, kam er, und wir hatten da eine lange, mehrstündige unterredung, worin ich ihm Alles sagte, was ich ihm sagen wollte und was eigentlich der Zweck dieser meiner, sonst so unglücklich ausgefallenen, reise war, sowohl über die Zustände im Allgemeinen als über meine specielle stel- lung, endlich über meinen entschluß.1 direct kann er, wie ich wohl wußte, nichts dafür thun, aber mein Zweck ist erreicht, indem ich ihm, der terrain und Personen in einer gewissen richtung besser kennt als ich, die sache zum nachdenken und überlegen übergeben habe. An ein vergessen oder leichthinnehmen ist bey ihm nicht zu denken. leider kennt er stockmar nicht, und konnte ich diesen, der in england ist, nicht sehen, kömmt Zeit kömmt rath, er ist der andere meiner beyden piliers in dieser sache, und ich vertraue mehr in das können dieses letzteren, so wie in das Wollen des ersteren. 1 Andrians Plan, angesichts der fehlenden Perspektiven in österreich nach deutschland zu übersiedeln; vgl. Einträge v. 20.5. und 7.6.1853.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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