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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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Tagebücher668 terung und größe der geschwulst schon zu bedeutend sey (freylich hat diese stupide landreise von münchen bis linz viel verschlimmert), doch gebraucht er ähnliche mittel als nachhülfe und vornehmlich gegen die cor- respondirenden drüsen der linken seite, wo sich sympathetisch eine ganz ähnliche entzündung zu bilden begann. für die eitergeschwulst muß ich wieder, wie in franzensbad, umschläge von leinsaamenmehl brauchen. im ganzen scheint mir die sache gut und rasch vorwärts zu gehen, wie lange sie noch dauern wird? nescio. es wäre auch Alles ganz gut, wenn nicht die fürchterlichen Blähungen und schmerzen im unterleibe wären, welche mir fast jede Bewegung unmöglich machen, das Athemholen erschweren, das essen und trinken verbittern und oft den schlaf ganz rauben. Bis gestern wollte Wurm davon keine notiz nehmen und sagte, das sey nebensache und werde von selbst vergehen, endlich gestern gab er mir etwas, was be- deutende linderung gewährte, und für heute ist das völlige Aufhören jener schmerzen versprochen. gesellschaft habe ich natürlich in dieser saison wenig. carl reischach, franz st. Julien, coronini, das waren bisher so ziemlich die einzigen Besu- che außer meinen beyden schwestern, von denen flore vom 30. nachmittag bis zum 1. mittags und gabrielle vom 1. nachmittag bis 2. Abends hier und fast immer bey mir waren. heute nachmittag kömmt flore wieder. Abends gehe ich, wenn ich halbwegs kann, ins casino hinab, cela me coupe la jour- née! ich bin nun seit länger als einem monathe krank, zu hause, daher meist allein und mit wenigen Ausnahmen auf mich selbst und meinen eigenen umgang beschränkt. das Alleinseyn hat bey mir, der ich es ja fast immer bin, weniger zu bedeuten, desto mehr das ungewohnte zuhause Bleiben und die ebenso ungewohnte idee des krankseyns, die einen, wenn auch jede gefahr noch so ferne liegt, dennoch ernst stimmt und an das endliche ende erinnert. Dazu die Lage, in der ich mich eben jetzt befinde, das Bevorste- hen eines Wendepunctes in meinem leben in dieser oder einer anderen richtung, welches Alles im großen wie im kleinen auf mich hereindrängt. das und noch manches Andere dazu stimmt mich zum nachdenken über manchen bisher noch ziemlich unerörterten Punct, u.a. darüber, ob man denn das Bild, das man seinen nachkommen, der geschichte, überlassen soll, so ganz und gar dem Zufalle anheimstelle, dessen treue und Ausfüh- rung? nach dem, was die gegenwart hierin mir gegenüber geleistet, hätte ich in dem falle wenig gutes zu gewärtigen. schmerling engagirte mich einmahl, eine geschichte meiner mission nach england 1848–9 zu schrei- ben, auch an eine selbstbiographie habe ich schon öfters gedacht, sogar vor vielen Jahren einmal eine solche begonnen. Jedoch taugt das Alles nicht für mich, zu einer größeren litterarischen Arbeit, welche anhaltenden fleiß,
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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