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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 670 -
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Tagebücher670 die türkische frage ist so gut wie beygelegt. der vermittlungsvorschlag, welcher von hier aus unter Zustimmung der englischen und französischen regierung gemacht worden ist, ist russischerseits angenommen worden, die Pforte wird nun wohl auch nichts anderes thun können. über den in- halt jenes vorschlages verlautet nichts Bestimmtes,1 ich erwarte nichts. hier scheint wieder die ganz einfache Politik der leidenschaft (nämlich der furcht) die oberhand gewonnen zu haben, welche einen Augenblick, als man über rußlands insolentes Auftreten stutzig wurde, in den hinter- grund getreten war, und man raisonnirt rührend naiv: die engländer hal- ten es mit den türken, die flüchtlinge machten einen Augenblick miene, ihre dienste der Pforte anzubieten, also müssen wir durch dick und dünn mit rußland gehen. Baden 22. August die letzten tage, die ich in Wien zubrachte, suchte ich, mir etwas mehr Bewegung zu machen, doch ging das meiner großen schwäche wegen schwer und langsam, mein erster versuch auszufahren bekam mir ziem- lich schlecht, im ganzen jedoch ging die reconvalescenz sowohl was die geschwülste, als was den unterleib betrifft, ziemlich rasch vorwärts, einen Abend war ich mit flore in der leopoldstadt,2 um die Pepita tanzen zu sehen, welche jetzt in dem dümmsten aller länder, in deutschland, daher wie natürlich auch in Wien (dem Affen jener Affen) furore macht, mir aber sehr mißfiel, am 16. hatte ich bey Munsch3 ein rendezvous mit egon und resi hohenlohe, welche auf der durchreise nach venedig begriffen waren, und die es mich sehr freute wieder zu sehen. es scheint mein schicksal zu sein, daß im Augenblicke einer Abreise stets in meinem Befinden eine wesentliche Verschlimmerung eintreten soll, so auch dießmal, in der nacht vom 16. auf den 17. wurde ich plötzlich ohne irgend eine mir bekannte ursache von der heftigsten diarrhée befallen, die man sich denken kann, welche von 2 uhr morgens an durch mehr als 12 stunden fast ununterbrochen fortdauerte, dazu hatte ich übelkeiten, Ab- scheu vor dem essen etc. nebstdem regnete und stürmte es wie im october, das thermometer war auf 12–13° r., lauter gründe, um meine Abreise zu verschieben, ich aber, der ich dergleichen hasse, ließ mich nicht abhalten, sondern fuhr um 1/2 6 nachmittag auf die eisenbahn, wo ich zum glücke 1 Mit der sog. „Wiener Note“ v. 1.8.1853 versuchte Österreich im Konflikt zwischen Russland und der türkei zu vermitteln, der schließlich nicht friedlich beigelegt wurde, sondern zum krimkrieg führte. 2 das carltheater in der Praterstraße in Wien-leopoldstadt. 3 das hotel munsch am neuen markt.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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