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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 676 -
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Tagebücher676 rühmte sich, bereits 5 „ketzerische“ Bibliotheken verbrannt zu haben, ich finde die Leute ganz consequent, denn um ein gläubiger Katholik zu seyn, muß man ein dummer hund seyn. Zum glücke scheitern alle diese hunds- föttischen Bestrebungen bey uns bisher an dem gesunden sinne des volkes und werden es noch auf eine lange Zeit hinaus, ich hoffe, immer, nirgends in der Welt kommen diese Bestrebungen unzeitiger und unpassender als bey uns, unser volk muß angeleitet werden zu selbstständigkeit des cha- rakters, zum vertrauen in die eigene kraft und in die eigene einsicht, zum klaren urtheile, besonders aber zu einem tiefen rechtssinn, lauter dinge, von denen diese katholische richtung das gerade gegentheil bezweckt. die orientalische frage scheint jetzt mehr auf der spitze zu stehen als je, aus keinem anderen grunde, als weil der fanatismus der türken, welchen die regierung zu ihrem schutze aufzustacheln genöthiget war, ihr nun sel- ber über den kopf zu wachsen droht. dieses könnte selbst auf meine reise nach Aegypten von Einfluß seyn, obwohl ich fest entschlossen bin, diese nur im äußersten nothfalle aufzugeben. Wien 3. october ich ging, wie ich es mir vorgenommen hatte, am 26. von Baden fort, an einem regnerischen, unfreundlichen tage, dem einzigen solchen seit dem tage meiner Ankunft daselbst, nachdem ich noch am selben morgen in der Weilburg mit gabrielle und celine [Belcredi] gefrühstückt hatte. seitdem bin ich hier und mit den vorbereitungen zu meiner reise und zum Auszuge aus meiner Wohnung beschäftigt, ich verlasse diese aus vie- len ursachen sehr ungern, da ich vor der hand keine andere Wohnung habe, so werde ich am 13. oder 14. (dem Ausziehtermine) in einen gasthof ziehen und bis zu meiner Abreise dort bleiben. letztere dürfte um den 20. erfolgen, da ich das schiff, welches am 27. von triest absegelt, benützen möchte. seit ein paar tagen ist auch gabrielle hier und bleibt bis zum 8. oder 9., an welchem tage sie wahrscheinlich Alle schon in ihr exil ofen zurück kehren. hier führe ich wieder mein gewöhnliches, langweiliges und dennoch nicht ruhiges leben und regrettire die gemüthsruhe und Beschaulichkeit des Badner séjours, überhaupt eines jeden, an welchem man von dieser tret- mühle von leidenschaften, Ambition, eitelkeit etc. entfernt ist. Am tage nach meiner Ankunft war micherl strasoldo, der in eine (unverdiente) un- gnade gefallene exstatthalter von mailand, sehr lange bey mir und schüt- tete sein herz aus, er schreibt die unbill, die ihm widerfahren, den intri- guen gyulai’s und Benedek’s zu, welche er als vollendete intriganten und deutschland.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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