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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 683 -
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68329. Oktober 1853 wollen, wo keine möglichkeit der Besserung mehr vorhanden ist, ist ein unsinn, und das Boudiren dem starken gegenüber zu gar nichts nütze, es gibt neutrale felder genug, auf dem die verschiedensten meinungen sich begegnen können, und wo man wirken kann, ohne inconsequent zu werden, die Zukunft verschließt man sich dadurch nicht, im gegentheile, und es gehört zur selbsterziehung, nicht länger als es unumgänglich nothwendig ist, unthätig zu bleiben, man wird dadurch am ende zugleich unfähig und vergessen. ich reise also höchst wahrscheinlich am 3. oder 4. und schiffe mich am 10. in triest ein. die orientalischen Angelegenheiten nehmen eine friedli- che Wendung. trotz kriegserklärung und trotz der abgelaufenen frist hat man mit einem 3wöchentlichen Waffenstillstande angefangen, und die un- terhandlungen sind lebhafter als je. england neigt sich entschieden zum feinde und läßt, wie es seit 5–6 Jahren seine gewohnheit ist, die von ihm verlockten im stiche, und frankreich allein kann nichts unternehmen, dazu kömmt die allenthalben herrschende theuerung, geld- und getreide- noth. Hier fielen durch ein paar Wochen die Papiere ziemlich stark, und das Agio stieg bis 15 per cent vom silber, in letzterem sah man, mit recht wie es scheint, eine demonstration der Juden (in london und Amsterdam hat das decret vom 7. den übelsten eindruck gemacht1), jetzt erholen sich die Papiere und fällt das Agio, letzeres kömmt mir in diesem Augenblicke ganz besonders gelegen, und ich war früher wirklich im Zweifel, ob ich bey dem täglich steigenden Agio mich dem verluste aussetzen oder meine reise auf- schieben sollte? Das Judendecret dürfte zurückgenommen oder modificirt werden, man schreibt es dem severinusvereine2 zu. Bach hat es entworfen, warm vertheidigt und unterschrieben, sagt aber allen leuten achselzuk- kend das gegentheil, übrigens ist das decret in gewissen classen, nament- lich den untersten, sogar populär. unsere finanzen und unser credit ste- hen beyde gleich schlecht, ein Anleiheversuch von 80 millionen in london ist eben gescheitert, das Deficit wächst, die Industrie verfällt immer mehr, und die geldnoth ist ungeheuer. ich bekomme wahrscheinlich einen sehr angenehmen oder wenigstens sehr nützlichen reisegefährten, den general Jochmus, welcher seit 8 tagen hier ist und die reise um die Welt macht, wenn wir nicht die fahrt nach Alexandrien zusammen machen, so kömmt er mit dem nächsten schiffe nach und gedenkt sich einige Wochen in Aegypten aufzuhalten. egbert, christiane und richard Belcredi sind hier und bleiben einige tage. 1 die provisorische Wiedereinführung der vor 1848 gültigen verbote des liegenschaftser- werbs für Juden, vgl. eintrag v. 8.10.1853. 2 Der offizielle Name des Wiener Katholikenvereins.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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