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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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69127. November 1853 menschen bekannt zu machen, letzterer ebensowenig, obwohl er unläugbar ein mann von verstand ist, aber mit burschikosen studentenmanieren und, wie mir vorkömmt, mit aller Welt in Zank und hader. ich werde mir daher selbst zu helfen suchen müssen. meine tisch- und hotelsgesellschaft ist fast exclusiv englisch, von der ich Anfangs nur einen major scott aus madras kannte, ich war daher die ersten tage stumm wie ein fisch, nach und nach werden wir bekannter, und es scheinen ganz angenehme leute darunter zu seyn, ein general o’donnell, ein m. cottrell, ein leutnant Burton aus indien, welcher große reisen im oriente macht und als Beduine gekleidet erscheint etc., der einzige nicht- engländer außer mir ist ein hier angestellter mailänder refugié visconti, welchen ich früher gekannt zu haben mich erinnere, und der ein ganz ange- nehmer mensch zu seyn scheint, er diente früher bey kress chevauxlegers, spricht sehr gut deutsch, erinnert sich mit Passion an sein militärleben in Wien und ungarn und scheint, was man sagt, ein guter kerl zu seyn, der nicht zum refugié geboren war. die letzte Post aus constantinopel brachte die nachricht von fortschrit- ten der türken, welche bereits Bukarest eingenommen haben sollen. ob es taktik der russen ist, sie zu locken, oder ob gortschakoff wirklich, so wie man sagt, unfähig und durch schlechte Verpflegung, Krankheiten, Un- zufriedenheit der Offiziere etc. gezwungen war sich zurückzuziehen, wird sich bald zeigen. einstweilen erhöht der erfolg wie natürlich den fanatis- mus der türken, d.h. in den Provinzen, denn in constantinopel selbst und bey der regierung herrscht die exemplarischeste mäßigung. namentlich in syrien und kleinasien soll der fanatismus groß und die lage der chri- sten eine sehr bedrohte seyn, ich werde daher schwerlich im märz oder April meine rückreise durch jene länder nehmen können. hier ist nichts zu fürchten. das volk ist hier zu demoralisirt, zu sehr im Zaume gehal- ten. die leute haben allen saft und kraft verloren, ein Araber Aegyptens ist ein auf einen Juden gepfropfter italiener, nicht einmal religiöse ideen wirken hier mehr, bey dem entsetzlichen drucke der regierung freylich kein Wunder. Abbas Pascha scheint zwar das loos der fellahs (das elen- deste welches ich kenne) etwas erleichtern zu wollen, er ist ein abgesagter feind der europäer und ein türke der alten schule, der gerne wieder Alles auf den alten Fuß zurückführen würde, wenn es der Einfluß der Europäer, namentlich der englische, erlaubte. letzterer ist hier ohne allen vergleich der praedominirende, durch handel, capitalien und die route nach indien, nach den Engländern sind wir die nächsten im Einflusse, sowohl durch un- seren handel als dadurch, daß oesterreich seit einiger Zeit die vernünftige Politik angenommen hat, Abbas Pascha gegen die eifersucht der Pforte zu unterstützen, auf huber soll der Pascha persönlich viel halten, was sich
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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