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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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6959. Dezember 1853 mit Burton etc. zusammen wohnt, und machte dort eine Parthie Whist, meine gesundheit ist gut, doch leide ich noch immer an Abweichen und Blähungen. Alle leute, die die hiesigen Zustände näher kennen, stimmen darin über- ein, daß die fellahs und überhaupt die niedern und mittleren classen der Bevölkerung durchaus nicht so arm sind als sie scheinen. das monopol der regierung ist seit mehemed Alis tode abgeschafft, der handel sowol mit den landesproducten (korn, leinsaamen, flachs, färbestoffe, indigo, Baumwolle, Zucker etc.) als mit den Producten des inneren Afrika und des glücklichen Arabiens freygegeben, was früher ebenfalls monopol war, der Boden vortrefflich, die Bevölkerung äußerst arbeitsam. Daher haben sehr viele fellahs große summen geldes, die sie aber aus furcht, geiz und dummheit vergraben. die untern Beamten, muzirs, nadirs und besonders die scheikhs der einzelnen dörfer hausen freylich noch ganz willkürlich und pressen wo sie können. die Bevölkerung des landes nimmt ab. der handel dagegen soll im Zunehmen seyn. oesterreich spielt dabey eine ziemliche rolle, etwa die 2. oder 3., könnte aber bey einiger thätigkeit und intelli- genz der regierung (welche bey uns zwar in Allem und Jedem, hauptsäch- lich aber in handelspolitischer hinsicht mangelt) eine viel größere spielen. huber ist ein thätiger und einsichtsvoller mann, der aber mehr diplomat als handelspolitiker ist. [kairo] 9. dezember die Briefe und nachrichten aus europa lauten ziemlich kriegerisch, wir scheinen immmer mehr in den sack rußlands zu gerathen, und louis na- poléon droht mit demonstrationen in italien. das ist auch wahrscheinlich der grund, warum bey uns Papiere und curse sich verschlimmern. das silber stand zuletzt auf 16 – ! – huber, der ein schwarzenbergianer ist, schimpft und wüthet, und es ist kein Zweifel, daß, wenn er noch lebte, die ganze geschichte ein anderes Ansehen gewonnen hätte, es sind jetzt stüm- per und knaben, welche hin und herzerren. sonst nicht viel neues als der tod der königinn von Portugal und die endlich zu stande gebrachte fusion der beyden Branchen der Bourbons, welche in Wien und frohsdorf statt- fand.1 diese wird auf louis napoléons entschließungen eher einen anspor- nenden als zurück haltenden Einfluß haben. 1 Ansprüche auf den französischen thron erhoben sowohl henri graf v. chambord, herzog v. Bordeaux (enkel des 1830 gestürzten könig karl X.) als chef der älteren, „königlichen“ linie des hauses Bourbon, der auf schloss frohsdorf ca. 50 km südlich von Wien lebte, als auch louis Philippe d’orléans graf v. Paris als enkel des 1848 gestürzten könig louis Philippe für die linie Bourbon-orléans.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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