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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 707 -
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70726. Dezember 1853 neurs, welcher ein Pascha ist, sie zählt an 20.000 einwohner. die caravane nach und von darfur mündet hier aus, sie geht jährlich einmal und bringt aus jenem lande sklaven, elephantenzähne, straußfedern, tamarinden etc. das land hat einen könig und ist für fremde, inclusive der Aegyptier, streng abgeschlossen, sonst ging die caravane nach dongola und von dort den nil herab bis cairo, aus furcht vor der habsucht mehemed Ali’s, und um nicht das schicksal der sennaar zu theilen,1 nimmt sie jetzt den kür- zeren Weg nach siut durch die Wüste. unser verstorbener viceconsul in chartum, reitz, war der erste, welcher einige verbindungen mit darfur an- geknüpft hatte, hauptsächlich dadurch, daß er die schwester des königes auf ihrer Pilgerreise nach mekka auf der hin- und herreise bewohnte und bewirthete. die einwohner sind nämlich mahometaner. unser reis wollte in siut Brod für die mannschaft backen (welches in den gemeindebacköfen geschieht) und zugleich 4 neue ruderer anwerben, wir blieben daher den ganzen tag in siut. nach 10 uhr ritten wir sammt dem dragoman nach der stadt und zuerst zur Wohnung des österreichi- schen Agenten oder viceconsul naus, eines ziemlich wohlhabenden grie- chen, dessen vater ursprünglich mehemed Ali’s dragoman gewesen war und später von champion zum österreichischen Agenten in siut bestellt worden war. Als ich in das haus trat, hörten wir Weibergeheul und erfuh- ren, die ursache davon sey der vor beynahe 2 Jahren erfolgte tod das alten herrn, nämlich eben jenes ehemaligen dragomans! nach einiger Zeit kam die Witwe, eine intelligente und recht angenehm aussehende frau im mitt- leren Jahren, sie empfing uns sehr höflich, sagte uns, ihr Sohn sey eben auf einige tage abwesend, nöthigte uns, in einer ebenerdigen kammer, wel- che den salon vorstellte, Platz zu nehmen und den unvermeidlichen caffeh zu einzunehmen [sic], sie war sehr gesprächig und erzählte uns (natürlich durch den dragoman) eine menge details über ihre familie etc., sie ist aus syrien gebürtig, eine griechische christinn, sie bedauerte sehr, mich so un- vollkommen bewirthen zu können, da wegen des todes ihres mannes alle kleider, kostbarkeiten etc. versperrt wären, sonderbarer gebrauch. Wir hatten eine sehr lebhafte conversation von mehr als einer halben stunde mit ihr, während welcher mohammed vollauf zu thun hatte, um ihren re- defluß zu übersetzen. von da ritten wir zur stadt hinaus zu den etwa eine kleine halbe stunde entfernten grotten, d.h. egyptischen gräbern in den hinter siut liegenden Bergen. Weit und breit nichts als schutt, knochen, mumienreste etc. Wir sahen uns einige der größeren grotten an, unter andern den sogenannten stabl Antar, soweit das Auge reichte, liegen tausende solche grotten in 1 das gebiet zwischen weißem und blauem nil war 1821 zur ägyptischen Provinz geworden.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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