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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 710 -
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Tagebücher710 [am nil zwischen girgeh und kenneh] 29. dezember in ekhmim landeten wir einen Augenblick, da der reis dort etwas einkau- fen wollte. inzwischen sah ich mir ein paar felsblöcke an, welche dicht hinter der stadt liegen, die überbleibsel von Panopolis. Auf dem Begräbnis- platze, an dem ich vorüber kam, sah ich 2 Adler mittlerer größe, die ganz ruhig sitzen blieben, bis ich auf wenige schritte ihnen nahe kam. Von da an hatten wir eine magnifique Nachmittagsfahrt, eine malerische gegend mit ein paar von hohen 4eckigen mauern umfaßten coptischen klö- stern in der herrlichsten Abendbeleuchtung. gegen Abend hörte der Wind ganz und gar auf, so daß wir über nacht still lagen. gestern vormittag erhob er sich wieder, wiewohl sehr schwach, und brachte uns etwas vor 3 uhr nach girgeh, wo wir sogleich ans land gingen, um den Abstecher nach Abydus zu machen. Wir waren nämlich durch eine nicht ganz klare stelle des murray’schen handbook1 und durch eine ebensowenig klare Antwort mohammeds (daß man von einem Araber nie eine klare Antwort erhalten kann, hätte ich übrigens schon wissen kön- nen) der meinung, der ganze hin- und herritt ließe sich in 3 stunden voll- bringen, und dachten daher, bald nach unserer gewöhnlichen essensstunde an Bord zu seyn. in girgeh fanden wir zum erstenmale esel ohne steigbü- gel und Zaum, eine höchst unbequeme und ermüdende Art zu reiten. gegen 1/4 4 ritten wir ab. mohammed, der bis hieher ganz willig und guter dinge schien und gar keine gegenvorstellung gemacht hatte, wurde nun plötzlich sehr niedergeschlagen und trübselig und meinte, es sey große gefahr, hier bey nacht zu reiten, la gente è molto cattiva. ich lachte ihn aus, 3 europäer, davon einer, fletcher, mit seinem gewehre, halten ein dorf in respekt, zudem hatten wir ein gefolge von eselbuben etc. mit. so ritten oder gingen wir, bis es finster wurde und wir nach und nach einsahen, daß wir uns in der distanz sehr bedeutend geirrt hatten. endlich verloren auch unsere eselbuben den Weg, und so nahmen wir endlich zu mohammeds [Beruhi- gung] (der der personificirte ägyptische Hasenfuß ist) von dem nächsten dorfe 2 mann führer, die uns bis zum nächsten, und in diesem 3 neue, welche uns zu den Ruinen brachten. Dort kamen wir um 1/2 8, also bey fin- sterer nacht an, sahen bey kerzenlicht den Pallast des memnon (von osiris und seinem sohne sesostris, oder eigentlich remeses ii. gebaut) und dicht daneben den tempel des osiris, der hier begraben liegt, natürlich Alles nur höchst oberflächlich und cursorisch, denn wir hatten Alle Eile nachhause zu kommen. Wir gingen nun zu dem dicht dabey liegenden dorfe el Arabar, wo wir neue Führer nahmen, welche uns land- und feldeinwärts durch die finster- 1 der londoner verlag John murray war bekannt für seine reiseführer.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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