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Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
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Zu den Selbstverständlichkeiten der untersuchten Gesellschaften gehörte offenbar, daß es Gruppen von Musikanten gab, mit denen sich lokale Gemeinschaften identifizieren konnten und die mit lokalen Gemeinschaften identifiziert wurden. Geographische Her- künfte wurden possessiv, die Musikkapellen Teil des Ganzen.132 Dass die Oberdorfer Blasmusikkapelle nach entsprechender Unterstützung der sozialdemokratischen Partei in einen Arbeitermusikverein umbenannt wurde, also als Teil einer politischen Bewegung auftrat, tat ihrer Einbindung in die Dorfge- meinschaft nach Bergmanns Beschreibung keinen Abbruch. Passend zum Charakter der Dorfmusik fanden sich in Bergmanns Erzählung keine Auftritte außerhalb des politischen Bezirks oder gar des Geburtsbundeslandes. In starkem Gegensatz zum Musizieren im Kunstbetrieb, für das überregionale Mobilität eine Voraussetzung und ein Kennzeichen war, blieb man hier im Ort. Daher wurde auch der Erfolg vor allem daran gemessen, „daß wir im Bezirk Voitsberg als durchaus ernstzunehmende Musikkapelle registriert waren!“.133 Bergmanns Beschäftigung mit Musik war nicht auf ein in der Zukunft liegendes musikalisches Leben  – eine Musikerkarriere  – gerichtet. Dementsprechend zeigen sich Unterschiede im Zugang zur musikalischen Ausbildung. KünstlerInnen legten großen Wert auf die Auseinandersetzung mit und die Verbesserung von individu- ellen Talenten und Fähigkeiten, die Grundlage für ihr lebenslanges, erfolgreiches und immer besser entwickeltes Musizieren sein sollten. Bei Bergmann hingegen stand die Aneignung musikalischer Fertigkeiten, die auf Auftritte in der unmittel- baren Zukunft hin ausgerichtet waren, im Vordergrund.134 Dies wird auch in einer von ihm erzählten Episode dargestellt: Eines Tages, kurz vor einem Auftritt, streikte mein Freund Martin Hoffmann, der ein- zige in unserem Orchester, der die tiefere Cello- Mandoline zu spielen gelernt hatte.  […] In wenigen Minuten hatte ich seinen Part, der sich im wesentlichen auf die Baßfunktion beschränkte, so weit drauf, daß unser Konzert gerettet war. Martin Hoffmann hat darauf- hin nie wieder gestreikt!135 132 Ecker, Melodie, 168. 133 Bergmann, Leben, 57. 134 Vgl. in diesem Zusammenhang auch den Begriff des „Abrichtens“, der für die musikalische Ausbildung von Land- und VolksmusikerInnen in der Alpenländischen Musiker- Zeitung bzw. dem Österreichischen Land- und Volksmusiker immer wieder verwendet wurde. 135 Bergmann, Leben, 42. Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO. KG, WIEN KÖLN WEIMAR Musizieren als hohe Kunst140
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Über die Produktion von Tönen Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Titel
Über die Produktion von Tönen
Untertitel
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Autor
Georg Schinko
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20802-0
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
310
Schlagwörter
Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
Kategorie
Kunst und Kultur
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