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Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
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Die Ressourcen des Herkunftshaushalts und die Erwartungshaltungen des sozialen Umfelds (vor allem der Eltern und Verwandten) an die zukünftigen Unterhalte bzw. Berufe der Protagonist/innen prägten so die Orientierungen der Protagonist/innen. Bot der Herkunftshaushalt diesen eine (finanzielle) Unterstützung in der Zeit der Ausbil- dung und bei der Arbeitssuche, konnten sie längere Berufsausbildungen anstreben, die mit einem späteren Verdienst einhergingen und den Zugang zu prestigeträchtigeren Berufen eröffneten.57 Die Erzählungen mit positiven Bezugnahmen auf Beruf beschrieben demgemäß keine Notwendigkeit, die musikalische Ausbildung oder das Musizieren zugunsten anderer Unterhaltstätigkeiten aufzugeben. Aufforderungen, schon früh den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen,58 fehlen hier. In den Erzählungen mit negativem Bezug auf Beruf hingegen war die Thematisierung materiellen Mangels präsent: die Bezeichnung als arbeitslos, die Beschreibung von Mangelerfahrungen als Kind, das Heranziehen von Fürsorgeleistungen bzw. Sozialleistungen zum Bestreiten des Lebensunterhaltes oder die Beschreibung der Familie in Kategorien der Armut. All diese Aspekte können als Begründung der Schwierigkeit verstanden werden, Musizieren zum Beruf zu machen. Die Erzählenden mochten sich ihren Unter- halt durch Gelegenheitsarbeiten verdienen oder einen anderen, weniger vorausset- zungsvollen Beruf anstreben, der Beruf des Musizierens blieb schwer zu realisieren. Sich „aus Liebe und Begeisterung“ oder auch „der Eitelkeit der Eltern zuliebe“ 59 für eine Musikerlaufbahn zu entscheiden, wie es dem Musikerverband zufolge üblich war, setzte ein zumindest auf absehbare Zeit gesichertes Einkommen und das Ein- verständnis der Familie voraus  – auf dem Lande, wo bezahlte Musiziergelegen- heiten rar waren, noch mehr als in der Stadt. Die Auffassung, dass Musizieren als Beruf eine Unmöglichkeit darstellte, findet sich in jenen Erzählungen, in denen es durch Strukturierung oder Kontextualisierung klar vom ‚eigentlichen‘ Erwerb bzw. Beruf getrennt wurde. Gelegentlich wurde es auch expliziert, wenn etwa Heinrich Krupitschka erzählte: Von meinen Geschwistern hatte nur ich von Anfang an das Verlangen, ständig zu musi- zieren. [Ein Geigenlehrer] sagte mir am Ende des Ersten Weltkrieges, als ich gerade 15  Jahre alt geworden war: ‚Ich kann dir nichts mehr beibringen. Du gehörst auf’s Kon- servatorium!“. Aber das blieb für mich immer nur ein Traum. Musikalisches Interesse war wohl in meiner Familie vorhanden, aber eine Laufbahn als Musiker konnte man 57 Vana, Gebrauchsweisen, 403. 58 Dieser Aspekt wird durch die Modalität kein Unterhalt unter 15  Jahren dargestellt. 59 Österreichische Musiker- Zeitung (1929), Nr.  23, 121 – 122, hier 121. Der Lebensberuf als kontinuierliches und ausschließliches Musizieren 157
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Über die Produktion von Tönen Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Titel
Über die Produktion von Tönen
Untertitel
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Autor
Georg Schinko
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20802-0
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
310
Schlagwörter
Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
Kategorie
Kunst und Kultur
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