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Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
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sich nicht vorstellen.  […] Mein Wunsch nach einer dauernden musikalischen Tätigkeit widersprach allerdings unseren Traditionen, wonach der Erstgeborene das Geschäft des Vaters zu übernehmen hatte.60 Die Unterstützung durch die Familie konnte also für die positive oder negative Bezugnahme des Musizierens auf Beruf große Bedeutung erlangen. Nicht nur andere Unterhaltstätigkeiten wurden für die Konstruktion der Berufsbiografie weggelassen. Auch andere Aspekte des eigenen Lebens, die als für den Lebens- beruf uninteressant galten, fehlten in den Erzählungen mit positivem Bezug auf Beruf. Beschreibungen eigener Freizeitaktivitäten fanden ebenso wenig Platz wie Beschreibungen der familiären Situation 61 oder der eigenen (nicht- musikalischen) Ausbildung. Diese Nichterwähnungen spielten eine wichtige Rolle für den positi- ven Bezug auf den Lebensberuf. Der Lebensberuf, wie er zu seiner Zeit verstanden wurde, setzte zwar nicht das Fehlen von Freizeit oder familiären Bindungen voraus. Von diesen nicht zu erzählen, stärkte allerdings die (wahrgenommene) Bedeutung des erzählten Musizierens  – bis zu einem Punkt, wo dieses nicht mehr als bloße Abfolge von Unterhaltstätigkeiten wahrgenommen wurde, sondern als Beruf. Diese Wahrnehmung basierte wiederum darauf, dass es bereits Vorbilder dafür gab, wie eine Berufsbiografie aussah und was sie beinhalten musste. Hier muss noch ein- mal darauf hingewiesen werden, dass  – in der Perspektive von Erzählen als sozialer Praktik  – die Form der Erzählung einen wesentlichen Aspekt der Positionierung im Hinblick auf Institutionen des Musizierens darstellte. Wurde die Beschreibung der Unterhaltstätigkeiten durch Beschreibungen des Freizeit- und Familienlebens unterbrochen, dann war die Erzählung nicht mehr klar als Berufsbiografie erkenn- bar. Dasselbe galt für das Weglassen von Fotos oder persönlichen Dokumenten in der Erzählung. Diese wurden oftmals verwendet, um außerberufliche Ereignisse (wie Geburten, Hochzeiten, Mitgliedschaft in Gruppen etc.) zu dokumentieren  – alles Themen, die nicht in eine Berufsbiografie passten. Eine Erzählung ohne Titel und ohne Fotos oder Dokumente, in der Freizeit oder Familie ausgespart blieben, beanspruchte nicht die Darstellung eines Lebens in all seinen Facetten, wie es etwa sich negativ auf den Lebensberuf beziehende Erzählungen taten („Skizzen aus dem Leben“, „Meine Lebenserinnerungen“). Die unbetitelte und auf das Musizieren fokussierte Berufsbiografie versprach nicht mehr und nicht weniger als eine Auf- zählung  – nicht einmal unbedingt eine Beschreibung  – all jener musikalischen Sta- tionen, die zusammen den Lebensberuf des Musizierens bildeten. Dementsprechend 60 Deutsch (Hg.), Geiger- Heini, 12. 61 Dieser Aspekt wird durch die Modalitäten keine Angabe von Geschwistern und keine Angabe von Tätigkeiten des Vaters dargestellt. Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO. KG, WIEN KÖLN WEIMAR Einen Lebensberuf haben158
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Über die Produktion von Tönen Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Titel
Über die Produktion von Tönen
Untertitel
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Autor
Georg Schinko
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20802-0
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
310
Schlagwörter
Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
Kategorie
Kunst und Kultur
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