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Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
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waren die Berufsbiografien auch kürzer gefasst 62 als die Erzählungen der dominierten Seite. In Nicht- Berufsbiografien erschien Musizieren daher eingebettet in andere Lebensaspekte der/des Erzählenden (wie Familie oder Freizeit), anstatt von ihnen getrennt zu werden. Musizieren stellte oftmals eine Episode in ihrem Leben dar, einen zeitlich begrenzten Abschnitt, der durch andere lebensgeschichtliche Ereig- nisse und Gegebenheiten strukturiert wurde. So leitete etwa Josef Mayrhofer sein Kapitel „Strassensänger“  – das auf Kapitel folgt, in denen Nicht- Musikalisches berichtet wird  – folgendermaßen ein: 1924 war in Innsbruck ein internationales Treffen der S. A. J. [Sozialistische Arbeiterjugend, G. S.]. Ich war gerade mit der Fachschule fertig und da ich keine Aussicht auf Arbeit hatte und natürlich auch kein Geld, gingen wir  […] zu Fuß dort hin.63 Auf diese Art und Weise entwickelte sich die Erzählung hin zum Musizieren und schloss mit: „Ich kaufte mir ein paar Schuhe und Sepp und Ich fuhren von Gmun- den mit der Bahn heim.“ 64 Analog zu der Unterscheidung zwischen der Dominanz des Musizierens und dessen Einbettung in andere Themen kann auch zwischen zwei Erzählstilen unterschieden werden. Für Berufsbiografien war eine vollständige Abbildung der (berufsrelevanten) musikalischen Stationen von Bedeutung, wie sie etwa in der stichwortartigen Aufzählung Rudolf Kemeters realisiert wurde: Kemeter, Rudolf; erlernter Beruf: Musiker, Polizeibeamter i. R., geboren am 3.  Juli 1890 in Guntersdorf  […] erhielt im Alter von 8  Jahren beim dortigen Regens Chori Oberlehrer J. Kleckmaer Unterricht im Gesang u. Allgem. Musiklehre, war dann einige Jahre als Sänger- knabe im dortigen Kirchenchor tätig. Den ersten Unterricht im Flöten- Klarinetten- u. Geigenspiel sowie in Theorie erhielt ich von meinem Vater M. K. der selbst ein sehr guter Musiker (ehem. Militärmusiker) war.65 Die Erzählung wurde hier als faktische Darstellung präsentiert: Wichtig war, was wann passiert war (bzw. absolviert wurde). Für die Erzählungen der anderen Seite war hingegen vor allem die Wiedergabe der erlebten Atmosphäre von Bedeutung. Man vergleiche obige Beschreibung der musikalischen Ausbildung mit folgender: 62 Dieser Aspekt wird durch die Modalitäten Erzählung umfasst weniger als fünfzehn Seiten (auf der dominanten Seite) bzw. Erzählung umfasst zwischen fünfzehn und achtzig Seiten (auf der dominierten Seite) dargestellt. 63 Mayrhofer, Leben, ohne Seitenzahl (erste Seite des Kapitels „Strassensänger“). 64 Ders., ohne Seitenzahl (zweite Seite des Kapitels „Strassensänger“). 65 Kemeter, Lebensbeschreibung, 1. Der Lebensberuf als kontinuierliches und ausschließliches Musizieren 159
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Über die Produktion von Tönen Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Titel
Über die Produktion von Tönen
Untertitel
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Autor
Georg Schinko
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20802-0
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
310
Schlagwörter
Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
Kategorie
Kunst und Kultur
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