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Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
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Lebensgeschichte zu verwenden. Fragen wie „Wie sind Sie zur Flöte gekommen?“ 84 und „Welches Repertoire haben Sie als Solist bevorzugt“ 85 förderten diese Möglichkeit. In dem 1998 veröffentlichten Interview, das vier Seiten umfasst, fragte die Interviewerin ausschließlich nach dem musikalischen Leben Wanauseks. Dabei schien sie vorauszu- setzen, dass die Bedeutung seiner Person den LeserInnen der Zeitschrift bereits bekannt war: So finden sich weder eine einleitende Vorstellung noch eine Begründung dafür, dass gerade seine Lebensgeschichte zum Gegenstand eines Interviews gemacht wurde. Kamillo Wanausek wurde 1906 in Wien geboren. Sein Vater war technischer Beamter, seine Mutter Hausfrau. Er musizierte vor allem als Flötist in einer langen Reihe von unterschiedlichen Kapellen und Orchestern, zuerst in Wien und später weltweit. In Kamillo Wanauseks Erzählung kamen keine Hinweise auf andere Unter- haltstätigkeiten vor. Der Verlauf seines Lebens wurde ausschließlich anhand seines Musizierens dargestellt. Diese Ausschließlichkeit wurde allerdings nicht selbst zum Thema der Erzählung (wie etwa in anderen Erzählungen: „ich war schon als Kind sehr musikalisch“ etc.). Stattdessen wurden musikalische Ereignisse aneinanderge- reiht, scheinbar einer natürlichen Logik entsprechend: „Also hat er mir eine Flöte gekauft, so eine alte, braune, und ich habe selber angefangen, zu lernen. Und so ist es weitergegangen.“ 86 Dieses So- Weitergehen drückte die Normalität des musika- lischen Verlaufs von Wanauseks Lebensgeschichte aus. Auch die Anfänge seines erwerbsmäßigen Musizierens wurden als Notwendigkeit beschrieben: Da war der Weltkrieg dazwischen, der erste, und mein Vater ist todkrank zurückgekom- men, die Familie hat praktisch gehungert. Da ist mir nichts übriggeblieben, da war ich damals schon dreizehn Jahre alt, da mußte ich spielen  … Flöte spielen.87 Die Möglichkeit, Unterhalt durch andere Tätigkeiten zu verdienen, wurde nicht einmal negiert. Wanausek schien, auch wenn er es nicht explizit formulierte, zum Musiker geboren zu sein. Er begann, in Kino- und Kaffeehausmusiken zu spielen, „und vor allem Kurorchester. Da bin ich mit der ‚besseren Musik‘ in Berührung gekommen“.88 Es folgte eine Beschreibung des Spielens in Kinos, dann die Erwäh- nung des Besuchs der Musikakademie („habe nur den ersten und den sechsten Jahr- gang gemacht“ 89). Wanausek spielte in einem der Akademie zugehörigen Orchester, 84 Schläffer, Gespräch, 25. 85 Dies., 27. 86 Dies., 25. 87 Ebd. 88 Ebd. 89 Ebd. Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO. KG, WIEN KÖLN WEIMAR Einen Lebensberuf haben166
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Über die Produktion von Tönen Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Titel
Über die Produktion von Tönen
Untertitel
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Autor
Georg Schinko
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20802-0
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
310
Schlagwörter
Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
Kategorie
Kunst und Kultur
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