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Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Seite - 183 -
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ernsthaften Studiums  – in ironischer Distanz erzählt: „Ich spielte ein Konzert mit einer Militärkapelle. Es war schrecklich.  […] Sie sehen, ich fing wirklich ganz unten an“,23 oder „So verdiente ich mein erstes Geld durch Geigenspiel  […] Dank meiner Leistungen wurde ich nie wieder engagiert“ 24. Dass man aber  – nach anfänglichen Schwierigkeiten  – überhaupt vom ernsthaften Studium der Musik leben konnte, war auf die bereits erwähnten Entwicklungen  – die Propagierung der Kunstmusik als eigener Musizierform und die Professionalisierung und Ausweitung des Angebots an Kunstmusik  – zurückzuführen. Sich ausschließlich der Musik zu widmen, war zuvor nur sehr wenigen möglich gewesen. Ernsthaftes Studium fand unter expliziter Bezugnahme auf die Referenz der Kunst statt. Die hier Erzählenden bezeichneten sich selbst als Künstler, betonten die Rolle ihres KünstlerIn- Seins für die Erzählung 25 und berichteten vom Spielen von Kunstmusik. Zwei wichtige Aspekte des Zusammenhangs von ernsthaftem Studium und Kunst dürften die kontinuierliche Entwicklung (das „rastlose Weiterstreben“) und die Perfektionierung der Musik selbst als letztes Ziel gewesen sein. Es ist auch nicht zufällig, dass sich keine Modalitäten stark positiv auf das ernsthafte Studium beziehen, die das Publikum des Musizierens thematisieren, denn ausschlaggebend für Erfolg oder Misserfolg waren vor allem die Wahrnehmung des/der Musizierenden selbst und die anderer künstlerisch Musizierender. Im Gegensatz dazu spielten die Erwartungen des (lokalen) Publikums durchaus eine Rolle für die Bewertung des Musizierens in Bereichen wie der Unterhaltungs- oder der Volksmusik (um diese traditionellen Kategorien des Musizierens zu verwenden). Man vergleiche etwa fol- gende Erzählpassagen über die eigenen Fähigkeiten (an erster Stelle jene eines ernst- haft Studierenden, danach jene von Musizierenden mit anderen Orientierungen): „Doch hatte mich die Art meiner Tätigkeit in letzter Zeit auch künstlerisch nicht mehr befriedigt. Ich war der ewigen Virtuosenstücke überdrüssig;  […] Meine Welt war Bach, war die unendlich reiche Kammermusik, und so konnte mich eine Arbeit auf die Dauer nicht befriedigen, die zu sehr auf gesellschaftlichen Erfolg eingestellt war.“ 26 „Der Durchbruch war gelungen! Wir wußten, daß wir im Bezirk Voitsberg als durchaus ernstzunehmende Musikkapelle registriert waren!“ 27 „Und so erreichte ich, was nur wenigen Anfängern vergönnt ist: In einem Variété von der Größe und von der Bedeutung des Ronacher als Neuling auftreten zu dürfen. Die 23 Schnabel, Pianist, 54 f. 24 Grümmer, Begegnungen, 11. 25 Dieser Aspekt wird durch die Modalität Thema Kunst dargestellt. 26 Ders., 51 f. 27 Bergmann, Leben, 57. Das ernsthafte Studium der Musik: Dominanz 183
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Über die Produktion von Tönen Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Titel
Über die Produktion von Tönen
Untertitel
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Autor
Georg Schinko
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20802-0
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
310
Schlagwörter
Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
Kategorie
Kunst und Kultur
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