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Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
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7.1.1 Dominanz erzählen: Paul Grümmer wird ein ernsthafter Musiker Die positive Bezugnahme auf das ernsthafte Studium fand über ein Ensemble von Praktiken statt. Im Folgenden soll exemplarisch dafür die Lebensgeschichte des deutschen Violoncellisten Paul Grümmer beschrieben werden.34 Diese nimmt unter jenen Lebensgeschichten, die überdurchschnittlich gut durch die primäre Fläche der Korrespondenzanalyse erklärt werden,35 die entlang der Orientierung des ernst- haften Studiums am extremsten ausgerichtete Position ein (siehe Abbildung 23 zu Beginn dieses Kapitels). Sie repräsentiert daher am besten die Erzählungen ernst- haft Studierender, deren Erzählpraktiken  – in Abgrenzung oder Nachahmung  – als Vorbild für anders positionierte Erzählungen dienten. Grümmers Erzählung wurde 1962 unter dem Titel „Begegnungen. Aus dem Leben eines Violoncellisten“ publi- ziert. Auf 157 Seiten beschrieb er darin überwiegend chronologisch die Entwicklung seines Musizierens und seine Bekanntschaften mit anderen MusikerInnen. Paul Grümmer wurde 1879 in Gera (Deutsches Reich) geboren. Bereits sein Vater war als Konzertmeister einer Hofkapelle sowie als Musiklehrer und Dirigent eines Gesangvereins und eines Kurorchesters tätig. Grümmer musizierte an einer Reihe von Orten innerhalb und außerhalb des Deutschen Reiches, unter anderem  – in den 1920er- Jahren  – längere Zeit in Wien. Die Entscheidung, sein Leben der Musik zu widmen, wurde von ihm bereits in seiner Jugend verortet  – allerdings aus Mangel an Alternati- ven: Nachdem er weder zum Gelehrten noch zum Kaufmann taugte,36 konnte er auch im häuslichen Violinspiel „keine Lorbeeren ernten, denn mein Bruder Wilhelm stellte mich darin völlig in den Schatten“.37 Was allerdings in dieser Anfangserzählung still- schweigend vorausgesetzt wurde, war die Vorstellung, später  – in welcher Form auch immer  – zu musizieren. Die Niederlage gegen seinen Bruder führte nicht zum Umden- ken in Richtung einer anderen Tätigkeit, sondern nur zum Wechsel des Instruments: „‚Eines steht fest‘, war meine Folgerung, ‚so tüchtig wie mein Bruder werde ich doch nie. Wenn ich etwas vorstellen will, muß ich ganz was anderes machen.‘  […] Schnell war mein Entschluss gefaßt: Ich wollte Cello spielen lernen!“ 38 Auf diese Weise beschrieb Grümmer die langfristige und frühe Planung seiner Musikerlaufbahn. Dieser Lebens- planung entsprechend trat Grümmer mit 15  Jahren in das Leipziger Konservatorium ein  – eine Organisation, die am ehesten eine planbare künstlerische Laufbahn versprach. 34 Seine Aufnahme in das strukturale Sample erklärt sich dadurch, dass Paul Grümmer viele Jahre hindurch in Wien musikalisch tätig war. 35 Die primäre Fläche erklärt 24,5  Prozent (cos2) der Erzählung. 36 Grümmer, Begegnungen, 9 f. 37 Ebd., 10. 38 Ebd. Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO. KG, WIEN KÖLN WEIMAR Durch Musik ein Fortkommen finden186
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Über die Produktion von Tönen Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Titel
Über die Produktion von Tönen
Untertitel
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Autor
Georg Schinko
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20802-0
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
310
Schlagwörter
Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
Kategorie
Kunst und Kultur
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