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Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
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Beginn dieses Kapitels). Sie repräsentiert daher am besten die Erzählungen von jenen, die aus Gelegenheit musizierten. Die von Gierer ab 1995 auf Tonband gesprochene Erzählung wurde von seinen Töchtern im Selbstverlag herausgegeben. Unter dem Titel „Meine Lebenserinnerungen“ beschrieb Gierer auf 137 Seiten Ereignisse von seiner Kindheit bis zu seinem Ruhestand. Gierers Erzählung wurde bereits früher in dieser Untersuchung als exemplarische Erzählung verwendet, da sie am besten den Kontrast zur Referenz des Berufes, die die zweite Dimension dominiert, dar- stellt.124 In der folgenden Darstellung werden jedoch andere Aspekte und Themen der Erzählung hervorgehoben, die Gierers Position als positiven Bezug auf Gelegen- heitsmusizieren  – im Unterschied zur negativen Bezugnahme auf Beruf im Rahmen der zweiten Dimension  – betonen. Franz Gierer wurde 1906 in Pöchlarn (Niederösterreich/Österreich) geboren. Beide Eltern waren Landarbeiter mit einer kleinen Landwirtschaft. Gierer musizierte sporadisch, meist innerhalb Österreichs. Wann immer er musizierte, stellte dieses Musizieren eine Abkehr vom  – mit Unterhalt und Ausbildung gefüllten  – Alltag dar. Musizieren war eine Besonderheit und wurde demgemäß nicht als einfache Dauer („von  … bis  … spielte ich im Breslauer Stadttheater“), sondern als Episode erzählt. So erzählte er auch seinen ersten Kontakt mit der Musik: „Damals sah ich in der Auslage des Kaufhauses Schober eine gebrauchte Gitarre. Ich wollte immer ein Musikinstrument lernen und so ging ich hinein und da mir Herr Schober preislich sehr entgegenkam, kaufte ich sie.“ 125 Anstelle einer allgemeinen Aussage zu seinem Musizieren stand hier der Versuch, den/die LeserIn unmittelbar in die Situation hineinzuversetzen. Dass es für Franz Gierer nicht alltäglich war, zu musizieren, zeigte sich auch an der Reaktion des Vaters: „[Er] war so fasziniert, daß ich dieses Instrument spielen konnte, daß er mir dann erlaubte, die Gitarre in der Wohnung aufzubewahren.“ 126 Diese Nicht- Alltäglichkeit des Musizierens stand in Beziehung mit der schwierigen materiellen Situation, die eine andauernde Beschäftigung mit Musik nicht erlaubte oder diese als unnötigen Luxus erscheinen ließ. Während in anderen Erzählungen  – nicht nur von KünstlerInnen  – der Kontakt mit Musik in der Familie am Anfang stand, war es bei Franz Gierer eher das Gegenteil: „Ich trug [die Gitarre] nachhause, wußte aber genau, daß ich sie nicht in die Wohnung bringen durfte, denn mein Vater hätte dies nicht geduldet. Er hätte gesagt: ‚Kauf dir net solche Sachen, kauf dir lieber a Gwand.‘“.127 Hier wurde bereits eine wich- tige Voraussetzung dafür angesprochen, dass Gierer sich in seiner Erzählung als 124 Siehe Kapitel 6.2.2. 125 Gierer/Annerl- Gierer (Hg.), Franz Gierer, 19. 126 Ebd., 19. 127 Ebd. Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO. KG, WIEN KÖLN WEIMAR Durch Musik ein Fortkommen finden220
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Über die Produktion von Tönen Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Titel
Über die Produktion von Tönen
Untertitel
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Autor
Georg Schinko
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20802-0
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
310
Schlagwörter
Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
Kategorie
Kunst und Kultur
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