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Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
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etwa nahm „Solisten, wenn sie in Konzerten auftreten“, von der Anforderung des Berechtigungsscheins aus und erlaubte den Prüfungskommissionen das Erlassen der Prüfung für MusikerInnen, „die auf ihrem Fachgebiete besondere Leistungen aufzuweisen haben“ 5  – eine Anlehnung an die Vorstellungen von Genie und Talent statt formaler Qualifikation. Insgesamt aber wurde  – in der Sprache der Ergebnisse des systematischen Vergleichs  – vor allem die Orientierung des Der- Musik- treu- Bleibens mit ihrer Kontinuität des Musizierens und der chronologischen Abfolge von Ausbildung und Auftreten immer stärker legitimiert und durchgesetzt. Andere Orientierungen  – vor allem jene, die sich negativ auf Beruf bezogen  – hatten es zunehmend schwerer, offizielle Legitimität zu erlangen. Die Auseinandersetzun- gen um das erwerbsmäßige Musizieren in Vereinen und kleinen Kapellen auf dem Lande (d. h. Gelegenheitsmusizieren) anlässlich der Musikerverordnung wurden bereits behandelt. Aber auch oftmals als Notunterhalt angesehene Formen wie das Musizieren mit Produktionslizenzen wurden nun mit der Forderung nach formaler Qualifikation konfrontiert.6 Die rechtliche Kodifizierung und Absicherung von bestimmten Musizierformen hatte seit den 1880er- Jahren zugenommen, eine Tendenz, die sich auch in den ersten Jahrzehnten des 20.  Jahrhunderts fortsetzte. Immer mehr Formen des Musizierens wurden über Gesetzestexte und Kollektivverträge darüber definiert, welche Rechte und Pflichten die mitwirkenden Akteure hatten, während die damit verbundenen Absicherungen gegen soziale Risiken immer zahlreicher wurden. Im Austrofaschis- mus wurde letztere Tendenz teilweise umgekehrt, etwa durch die Reduktion der BezieherInnen von Arbeitslosengeld und die Kürzung der Pensionen für Angestellte.7 Doch sowohl in der Ersten Republik als auch im Austrofaschismus war die abhän- gige Lohnarbeit zentraler Bezugspunkt für den Umgang mit Musizieren. Von den unterschiedlichen Orientierungen des Musizierens war es vor allem das Musizieren aus Gelegenheit, das durch diese Entwicklungen unter Druck geriet. Kodifizierung und soziale Absicherung wurden immer stärker auch als Indikatoren für „richtiges“ Musizieren gesehen. Was nicht abgesicherte Lohnarbeit war, was nicht gesetzlich kodifiziert war, wurde bald als defizitär angesehen. Die vermehrte Gründung von Nichtberufsmusikerverbänden in der zweiten Hälfte der 1920er- Jahre stellte eine 5 Verordnung der Bundesregierung vom 28.  Dezember 1933, BGBl Nr.4, über die Ausübung des Kapellmeister- und des Musikerberufes (Kapellmeister- und Musikerverordnung), §14  a), §19 (1). 6 Vgl. etwa Erlass der Oberoesterreichischen Landeshauptmannschaft an alle oberösterreichi- schen Bezirkshauptmannschaften, die Bundespolizeibehörden Linz, Steyr und Wels und alle oberösterreichischen Gemeindeämter vom 8.  August 1935, Zl.  3938/1, betreffend steuerfreie und steuerpflichtige Musiklizenzen. 7 Tálos, Austrofaschismus, 178 ff. Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO. KG, WIEN KÖLN WEIMAR Musizieren als Frage von Legitimität und Nicht-Legitimität230
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Über die Produktion von Tönen Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Titel
Über die Produktion von Tönen
Untertitel
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Autor
Georg Schinko
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20802-0
Abmessungen
15.5 x 23.5 cm
Seiten
310
Schlagwörter
Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
Kategorie
Kunst und Kultur
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