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Transdifferenz und Transkulturalität - Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
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Katalin Teller374 nen bleibt, was weitgehend mit den als »muslimisch« wahrgenommenen Traditio- nen im sozialen und kulturellen Leben zusammenhängen mag. 3. bedingTe Transdifferenz Angesichts der komplexen Verquickungen von Biografie, Gattungsgeschichte, Lan- desgeschichte und politikgeschichtlichen Tendenzen kann die These Bernd Wieses über das »Zweite Zeitalter der Entdeckungen«,56 der zufolge sich neue koloniale, mediale und massentouristische Entwicklungen in der Art des Reisens bezie- hungsweise in seiner Reflexion spürbar innovativ erweisen, nur bedingt greifen: Den Berichten und den literarischen Bearbeitungen kann angesichts einer zeit- genössischen Flut von Texten über Bosnien und die Hercegovina ein eindeutiger Neuigkeitswert im Sinne von Entdeckung kaum zugeschrieben werden. Was man jedoch beobachten kann, ist eine Ausdifferenzierung und Dynamik von Gattungs- konventionen, die mal zur Abschwächung einer Form wie etwa des Bildungsreise- berichts bei Meraviglia, mal zur Entstehung einer individuell geprägten Misch- form zwischen Reiseführer und Reisebericht wie bei Schmal führen können. Eine latentere Innovationsanfälligkeit scheint indessen den belletristischen Bearbeitun- gen der Reiseerfahrungen dieser Zeit zuzukommen: Abgesehen von poetologisch experimentell anmutenden Prosa-Versuchen von Berks – und dazu können auch einzelne Passagen aus Lacromas Stürme (1883) oder Noli me tangere! (1899) gezählt werden57 – bewegen sich die Textbeispiele vorwiegend auf tradiertem formalem Boden. Kritisches Potenzial, welches Geschlechter- und Klassen- beziehungsweise Religionsunterschiede transzendieren kann, entfalten sie vielmehr auf einer unter- schwellig-inhaltlichen Ebene. Diese kann sehr wohl eine Hinterfragung von Kon- ventionen in Gang setzen, muss es aber nicht. Insgesamt würde ich also in unse- rem Kontext für eine Anwendung des Transdifferenzbegriffes plädieren, die einem komplexen Zusammenspiel von biografischen Befunden über die Autorinnen und Autoren, von literatur- und gattungsspezifischen Entwicklungen und außerliterari- schen Bezügen und Tendenzen simultan Rechnung trägt. Diese Einsicht mag wohl zunächst banal anmuten, kann aber auf einer Metaebene dazu beitragen, selbst das begrifflich-theoretische Instrumentarium historisch zu spezifizieren und womög- lich auch zu relativieren. Um abschließend und unter diesem Aspekt die Autorinnen und Autoren noch einmal in Erinnerung zu rufen: Meraviglia-Crivelli bleibt trotz ihrer ausgedehnten Reisetätigkeit eine engstirnige Aristokratin, die sich 1913, während der Balkankrie- ge, darüber aufregt, dass das Schiff, mit dem sie fährt, schmutzige Flüchtlinge 56 | Wiese, Bernd: Einführung. In: ders. (Hg.): WeltAnsichten: Illustrationen von Forschungs- reisen deutscher Geographen im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Graphik – Malerei – Photo- graphie: die Wirklichkeit der Illustration? Köln: Universitäts- u. Stadtbibliothek Köln 2011, S. 11-17, hier S. 11. 57 | Vgl. Lacroma, Paul Maria [Marie Egger-Schmitzhausen]: Stürme. Ein Adria-Roman. Wien: C.A. Müller 1883, Bd. 1, S. 7f, und dies.: Noli me tangere! [1890]. 2., durchges. Aufl. Dresden: Pierson 1915, S. 5f.
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Transdifferenz und Transkulturalität Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
Titel
Transdifferenz und Transkulturalität
Untertitel
Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
Autoren
Alexandra Millner
Katalin Teller
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-3248-8
Abmessungen
15.4 x 23.9 cm
Seiten
454
Schlagwörter
transdifference, transculturality, alterity, migration, literary and cultural studies, Austria-Hungary, Transdifferenz, Transkulturalität, Alterität, Migration, Literatur- und Kulturwissenschaften, Österreich-Ungarn
Kategorie
Kunst und Kultur
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