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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 - Aufbruch in eine neue Zeit
Seite - 434 -
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9 SCHLUSS434 geradezu eine (noch weitergehende) Entdemokratisierung der Universitäten bedeutet, die ja in den Bildungsprotesten gegen das UG 2002 unter anderem bekämpft worden ist.22 Die Untersuchung der Umsetzung der ersten Reformschritte in Inns- bruck, die in Kapitel 3 behandelt wurde, verdeutlichte vornehmlich, dass die Implementation der Reformen nicht reibungslos verlief, sondern von Anfang an verschiedene Auffassungen über die Richtung der Reformen vorhanden waren. Dies veranschaulichte besonders die Reform der philosophischen Fa- kultät, die gemeinsam mit der Gewährung der Lehr- und Lernfreiheit, der Abschaffung der Studiendirektoren und der Neuorganisation der Akademi- schen Behörden die zentralen Reformvorhaben nach der Revolution waren. Erst unter Thun verschob sich der Blick zunehmend auch auf die juridische Fakultät, was jedoch nicht heißt, dass Thun sich überwiegend für die juri- dische Fakultät interessierte, wie die Arbeiten von Lentze es nahelegen.23 Die Reform der philosophischen Fakultät wurde zwar in Innsbruck grund- sätzlich begrüßt, von Anfang an mischten sich jedoch auch Sorgen um den Verlust einer allgemeinbildenden Instanz an der Universität, zumal die Professoren dem Gymnasium diesen Auftrag nicht zutrauten. Das bisherige philosophische Studium wurde zudem als Übergangseinrichtung von der be- hüteten Lehre an den Gymnasien zu der freien Lehre an der Universität betrachtet und, sollte diese wegfallen, dann wäre der Übergang zu abrupt und ebenfalls mit schlechten Auswirkungen auf die Bildung der Studenten verbunden. Außerdem warnten die Professoren auch vor einer allzu großen Zersplitterung der Wissenschaften, was auch auf die Gemüter der Studenten eine verheerende Auswirkung haben würde. Die Professoren konnten mit diesen Sorgen allerdings nicht beim Ministerium durchdringen, die Lernfrei- heit wurde zwar mit fortschreitender Reform eingeschränkt, aber die diszip- linäre Aufspaltung der Studienfächer vollzog sich nach und nach. Während die Professoren sich offenbar damit abgefunden hatten, meldete sich jedoch bald der Universitätsbibliothekar und kritisierte den wachsenden Verlust der allgemeinbildenden Funktion der Universität und die disziplinäre Zer- splitterung. Was die neu erlangten Freiheiten an der Universität betrifft, zeigt sich, dass die Professoren hier differenzierend argumentierten. Während sie näm- lich ihre eigenen, durch die Revolution errungenen Freiheiten argwöhnisch verteidigten – was anhand der Episode um die Entmachtung der Studiendi- rektoren dargestellt wurde (Kap. 3.2.2.) –, waren sie bei den Studenten we- 22 Vgl. dazu auch scHiBany, Bildung im Würgegriff der Ökonomie? 23 Lentze hatte sich als Rechtshistoriker überwiegend auf die juridischen Studien konzent- riert und in seinen Arbeiten dementsprechend auch den Fokus darauf gelegt.
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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 Aufbruch in eine neue Zeit
Titel
Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
Untertitel
Aufbruch in eine neue Zeit
Autor
Christof Aichner
Verlag
Böhlau Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20847-1
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
512
Schlagwörter
University of Innsbruck, University Reforms, Thun-Hohenstein, Leo, Universität Innsbruck, Reform, Universitätspolitik, Thun-Hohenstein
Kategorien
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