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Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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Steiermark, von unserer Kraft und die gewaltige Herrlichkeit ruht oft ehern auf unserer Seele. — An der Wallfahrtskirche Pernegg und an Kirchdorf vorbei fahren wir in die schattige, tiefe Waldschlucht, in welcher die Mur das Urgebirge durchbrochen hat. Hinter der Kapelle, die auf einem Bcrguorsprung steht, weitet sichs wieder. Bisher gi iM nördlich, hier kommt die Mur durch den breiten Buden herab von Westen, während die Südbahu rechts ins Thal der Mürz einbiegt. Dort, wo die Mürz — wir kennen sie aus ihrer Jugend her, da wir bei Ncuberg, Mürzstcg und dem todten Weib mit ihr gewandert sind — als ein recht stattliches Wasser in die Mur fließt, liegt die Stadt Brück. Sie zählt mit ihren vier Vorstädten bei dreitausend Einwohner. Die Straßen sind geräumig und gerade, doch ohne anschcntlichc Gebäude. Den großen Platz ziert ein schöner Brunnen. Merk- würdig für den Kunstfreund ist der alte Fürstenhof mit seinen Bugcngängen, reichlich mit Arabesken im besten byzantinischen Geschmacke geziert. Mehrere Kirchen und ein Theater vertreten die ideale Richtung der Brncker. Anf dem Echloßbcrge, an welchem schöne Spaziergängc angelegt wurden sind, steht die Ruine Land-ikron. Die Schicksale der Stadt Brnck ketteten sich in vieler Beziehung an jene vun Graz: Türkencinfälle, Se>uhm, Uebevschwemmnngen, Franzusenrummcl n. s. w. Den 4. und 5. September 1792 zählt Brück zu seinen furchtbarsten Tagen. Eine Fcnersbrunst äscherte die ganze Stadt und die Feste Landskron ein. — Die Lage vun Brück zwischen herrlichen, bcwaldctcn Bcrgcn, an den beiden schönen Flüssen und an der Auszwcigung der Südbahn nach Leuben, wo dieselbe znr Rudolphsbahn stößt — ist sehr günstig für die Weiter cntwicklung dieser Stadt. — Von Brück aus ist als dankbarer Berg das 5182 Fuß hohe Rcnnfeld zu besteigen. „Gcscgne Gott den Sterz! und ich that bitten um einen Trunk Wasser!" so grüßen wir oben die Schwaigcrin in der Almhütte. „Bedanken uns, nnd wenn der Herr essen will, der Löffel wär' sauber." So von ihrer Seite die freund- liche Einladung zum Mahle. Die Schwaigerin sitzt auf einem Hulzblock und ihr Schoß ist der Tisch, auf welchem ein Milchtopf und eine Schüssel mit Sterz steht — eine Lieblingsspcisc aus Mehl nnd Schmalz. — Den Sterz- überlassen wir dem ältlichen Mann, der vor der Schwaigcrin hockt und mit Bedacht nnd Ausdauer dic Himmels- gab' genießt. Wir setzen uns vor der Hütte auf einen Stein nnd laben lins an der Milch, wie Gott auf der Alm fie stießen läßt.- Dabei bewundern wir den Spciscsaal. Fünf Thäler ziehen sich da nntcn in der Tiefe: dic waldschattige Schlucht gegen Pcrncgg hin; der lichte, ätherübcrgossenc Murbudcn gegen Lcobcn nnd Knittelfcld; das freundliche Wicscnthal der Laining gegen die Bergriescn von Tragöß; das enge Waldthal des ThörlbacheS gegen Aflenz und das liebliche, grüne Gelände der Mürz bis hinan gegen den Felskoloß der Rar. Das Städtchen Brück streckt sich auf der sonnigen Au, sein Haupt an den Schloßbcrg gelehnt, seine Füße badend in der Mur — hält es sein Mittagsschläfchen. Die Bänder der Landstraßen liegen locker nnd unbenutzt; die Eisenbahnen ziehen ja strammer an. In der Mur und der Mürz liegt der Schimmer des Himmels. — Ueber dem Gleinalpenzng steht eine milchweiße Wolke mit strotzenden Rändern. Ueber der fernen Koralpc ist das Bleigrau eiucs Gewitters. Hinter dem kecken Horn des Rciting und den Schncetafeln dcs Zinken krausen zarte Wölklcin, dnrchwoben von Sonnenschein. Auf den Tragößcrgcbirgcn liegt der Schatten einer röthlichcn Ncbelmasse. Und über der Alpen- wildniß des Hochschwab bis zur hohen Veitsch und den Neubcrgcralpen baut sich finsteres Gcwölke. Auch über dem Gipfel dcs nahen Lantsch braut eine Blitze schmiedende Wolke, welche ihre Waare bereits mit einem erklecklichen Dunncrschlag ankündigt. Unser Rcnnfcld allein ist auserwählt, nnd dic Sonne lächelt zwischen Wolken in die Eterzschüsscl, die mittlerweile leer geworden ist. Der alte Mann inacht Anstalten zu einer Pfeife Tabak. Eine wilde Biene umstimmt ihn, ein verfehlt Beginnen! willst du, kleines Thier, schon nicht süßen Saft aus den Alpenkräutcrn saugen, so stiege zur jungen Schwaigern:. Bei der kommt sie aber auch zu spät. Der grüne, dichte Fichtenwald, der vom Thalc fast bis zur Hütte hinanfwächst, ist noch jünger als sie. Unter seinem Schatten ist sie gesessen, hat einen Gesang vom Hcrzlicbstcn gesungen, 's ist überall dasselbe Lied, auf der Höhe, wie in der Tiefe, und
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Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Titel
Unser Vaterland
Untertitel
Steiermark und Kärnten
Autoren
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Verlag
Gebrüder Kröner
Ort
Stuttgart
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
28.1 x 42.23 cm
Seiten
344
Schlagwörter
Wandern
Kategorien
Geographie, Land und Leute
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