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Geographie, Land und Leute
Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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Von Graz bis Vruck, die Leute werden alt, ehe sie's glauben, nnd seitdem das „Bcrgkraxeln" Mode geworden, werden altere Sennerinnen nicht mehr ausgetauscht gegen jüngere. Endlich brennt die Pfeife; der Halter hält feine Rast ein Stündchen: er hat keine Uhr, er mißt die Zeit nach Pfeifen Tabak. — Und zu plaudern muß man auch was dabei haben. ,,Nau," sagt er zu uns, „geht ihr Schwert suchen?" Wie reich ist Stcicrinarks Vorzeit! Von Hang zu Hang, von Schanz zu Schanz rankt fich der Sagcnkranz. — „Weil das Schwert des Stubenbergers noch begraben liegt auf diesem Berg," setzt der Halter bei. Schon zuckt bisweilen ein grünlich weißer Streifen nieder über die schwarze Wolkenmasse, wie wenn man ein Zündhölzchen über eine dunkle Wand streicht. Das Gewitter bricht los; wir ziehen uns in die Hütte und fragen: „Nun, was ist's mit dein Schwerte des Stubenbergers?" „Iaah!" zieht der Alte seine Stimme selbstgefällig in die Länge, „das ist curios. Auf diesem Berg da ist's geschehen. - Vor alter Zeit, da sind unten an der Mürz im Kapfenbergcr G'schluß nnd an - ^^Ä der Mur iu der Perncggerburg die Ritter gewesen. Der Wulf und der Kuenring — junge Kreuz- teufel und von Stahl und Eisen über und über. Der Wulf, der hat die schöne Agnes vom Per- ncgger-G'schloß gern gesehen, und der Kucnring der hätt' sie gern g'habt. Angehalten hat der Wulf um die Iungfran, hätt' sie auch kriegt und — helf' uns Gott der, himmlische Herr!" — Ter Alte bekreuzt sich, denn ein Blitz ist niedergefahren vor unseren Augen nnd ein wilder Krach zerreißt die Luft. — Die Schwaigcrin nimmt ein hölzernes Kruzifix von der Wand, nm das Gewitter zu bekreuzen und zu beschwören, denn der Mensch glaubt es gar nicht, wie viele Wetter gehext sind. „Hätt' sie kriegt, der Wulf," fährt der Erzähler fort, ,,da muß er mit dem Kreuzzug ins Land Jerusalem." „Ins heilige Land," verbessern wir, allein er bleibt bei seinem Land Jerusalem. „Auch der Kuenring ist mitgereist. Und jetzt schaut einmal: ist euch nach Jahr und Tag der Kuenring wieder heim gekommen und hat gesagt: den Stubenberger Wulf, den hätten sie verschlagen und nachher wollt' er die Jungfrau Agnes haben." Die Schwaigerin schießt zur Thür herein: „Bitt' euch, liebe Leut', laßt die sündhaften Geschichten jetzt sein. Thut's lieber beten, 's kommt straflig." Wir blicken hinans. Die Thäler sind verschwunden, dichte Nebel und Regenmassen brechen in dieselben nieder. Die Bäume des nahen Waldes schlagen mit ihren Aestcn auf einander los, die Wipfel machen hohe Rücken. 28 ' Vruck: Fürstenhof und Ruine Tandsfron.
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Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Titel
Unser Vaterland
Untertitel
Steiermark und Kärnten
Autoren
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Verlag
Gebrüder Kröner
Ort
Stuttgart
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
28.1 x 42.23 cm
Seiten
344
Schlagwörter
Wandern
Kategorien
Geographie, Land und Leute
Geschichte Vor 1918
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